Das Ding des Nibelungen

Der Ring in 2:40h – Comedy-Lesung im Theatrallalla

„Da lieg‘, neidischer Kerl! Nothung trägst Du im Herzen.“ Fafner (Bastian Korf), Waldvöglein (Marlene Zimmer), Wanderer (Bäppi La Belle), Siegfried mit Plüschdrachenfisch (Mathias Münch) – Foto: Dirk Jenders

„Schläfst Du, Hagen, mein Sohn?.“ Schon möglich, dass manche Besucher der Götterdämmerung diesen Satz künftig nicht ohne (inneres) Kichern hören können. Diejenigen nämlich, die ihn bei der Comedy-Lesung des Rings im Frankfurter Theatrallalla erlebten – bei der ihn ein Alberich in grasgrüner Zipfelmütze mit gelben Öhrchen sprach. Mehr als zwei Dutzend unserer Mitglieder waren am gestrigen Sonntag bei der vergnüglichen Premiere dabei. Mit fünf äußerst wandlungsfähigen Darstellern spannte sie in weniger als drei Stunden den Bogen von den leichtfertigen Rheintöchtern am Beginn der Tetralogie bis zur Schlussszene der Götterdämmerung, in der diese den Ring wieder in Empfang nehmen.
Es stimmt natürlich: Das Textbuch zum Ring des Nibelungen wurde nicht für eine Lesung geschrieben, Theaterchef und Comedian Bäppi La Belle, bürgerlich Thomas Bäppler-Wolf, ausgewiesener Wagner-Freund und seit kurzem auch Mitglied im RWV Frankfurt, brauchte nur das richtige Gespür für Striche, um aus dem gesprochenen Weltendrama eine Komödie zu machen. Den Rest besorgte die Ausstattung mit phantasievollen Kopfbedeckungen, die den Darstellern in Sekundenschnelle den Rollenwechsel ermöglichten. Wo sonst wird Brünnhilde – rotbezopft mit Wikingerhörnern – im Zwiegespräch mit Hagen von ein und derselben Person dargestellt: nämlich vom schwergewichtigen zwei-Meter-Mann Thomas Bäppler-Wolf, der einfach einen Schlapphut über die Hörner stülpt, um zum Bösewicht zu wechseln (und durchaus überzeugend auch eine der Rheintöchter spricht). Und was mehr braucht es für die Riesen als einen gelben Bauhelm, für Fricka ein Nudelholz, für Freia ein ausuferndes Obst-Arrangement auf dem Kopf und für Siegfried ein rotes Basecap, um glaubwürdig in die jeweilige Rolle zu schlüpfen. Fazit: für alle, die den respektlosen Umgang mit dem großen Meister nicht als Sakrileg empfinden, sehr empfehlenswert; leider nur kurz im Programm, aber vielleicht gibt es ja eine Wiederaufnahme.

„Siegfried, sieh auf mich.“ Die verschämte Brünnhilde (Bäppi La Belle) mit gangsta style-Siegfried (Mathias Münch) – Foto: Dirk Jenders