Eine Ohrfeige muss reichen

Daniel Behle siegt als Stuttgarter Lohengrin auf ganzer Linie

Lohengrin-Wiederaufnahme am 12.1.20 in der Staatsoper Stuttgart – Foto: RWV Frankfurt

Sein Lohengrin-Debut gab der sympathische Tenor vor wenigen Wochen in Dortmund. Nun konnten sich 33 angereiste Mitglieder des RWV Frankfurt an der Staatsoper Stuttgart davon überzeugen, dass Daniel Behle als ehemaliges Frankfurter Ensemblemitglied einen idealen Schwanenritter verkörpert. Sein darstellerisches Können (wenn die Regie ihn denn lässt) geht einher mit seiner wunderbar lyrisch-kraftvollen Stimme. Die „Gralserzählung“ stand exemplarisch dafür. Regisseur Arpad Schilling zeichnete Elsas Retter als einen unsicheren, aus dem Volk heraus geworfenen jungen Mann, der seine Aufgabe im „kaukasischen Kreidekreis“ erst noch finden muss. Eine einzige Ohrfeige hatte zu genügen, um Gegenspieler Telramund zu besiegen.

Bravi a tutti – Lohengrin-Schlussvorhang in der Staatsoper Stuttgart – Foto: Christoph Jenisch

GMD Cornelius Meister ließ im Graben Sturm und Drang tosen, was nicht jedermanns Geschmack im Saal traf. Die Sänger setzten sich jedoch durch. Das lag auch an der Präsenz der beiden Damen: Simone Schneiders Elsa brillierte mit einer samtenen, prachtvollen Mittellage wie reinen Intonation in den Höhen („Einsam in trüben Tagen“!). Okka von der Damerau strahlte eine fulminante Ortrud aus, die weiß, was sie will. Ihre „Entweihten Götter“ gingen unter die Haut. Bravi auch an den Chor der Staatsoper Stuttgart. Übertitel waren zwar vorhanden, bei dieser großartigen Besetzung jedoch nicht notwendig. Jedes Wort war zu verstehen. Fazit: Der Lohengrin in Stuttgart war eine Reise wert und Daniel Behle wird mit dieser Partie noch viele Erfolge feiern.

Tiepolo bei der Arbeit – Staatsgalerie Stuttgart – Foto: RWV Frankfurt

Umrahmt wurde der Opernbesuch von einem 2 1/2-tägigen Programm, das der Vorsitzende des RWV Frankfurt, Dirk Jenders, ausgearbeitet hatte. Beim Auftakt-Dinner im stylisch-hippen „Cube“ (Kunstmuseum) wurden die Frankfurter Gäste von der Vorsitzenden des RWV Stuttgart, Katharina Lucke, begrüßt. Vor dem Opernbesuch ging es in die Staatsgalerie zur höchst informativen Privatführung durch die Sonderschau „Tiepolo – Venedigs bester Maler“. Dem Haus war es wichtig, Tiepolos Spannungsfeld zwischen Ablehnung des Gängigen und Akzeptanz der jeweiligen Auftraggeberbedingungen zu vermitteln. Spannend! Das Althoff Hotel am Schlossgarten war zudem ein Garant für besten Service und Wohlbehagen während des gesamten Aufenthaltes. An der Hotel-Bar waren die Frankfurter jedenfalls immer die letzten.