Heldentenor statt Rundfunkchor

Stefan Vinke zu Gast beim Jour Fixe

Stefan Vinke (rechts) im Gespräch mit Dirk Jenders (Foto: H. Schmid)

Heldentenor zu werden war nicht der Herzenswunsch des jungen Stefan Vinke. Über Akkordeon, Klavier und Kontrabass war er zur Orgel gekommen, machte das A-Examen als Kirchenmusiker und wollte dem Metier eigentlich treu bleiben. Weil es am Kirchenmusikinstitut an Frauenstimmen fehlte, sang der Tenor Vinke oft die Altpartien; dabei wurde sein überragendes Stimmtalent entdeckt und weiter entwickelt, wenn auch zunächst nicht in Richtung Oper.

Erst mit 26 Jahren besuchte Vinke erstmals eine Opernaufführung, den „Fliegenden Holländer“; bei einer Fernsehübertragung der „Walküre“ sei er damals eingeschlafen, bekannte er freimütig im Gespräch mit Dirk Jenders. Mit 28 Jahren startete er in Karlsruhe seine Opernkarriere (mit dem Ersten Strolch in Orffs „Die Kluge“); recht glücklich wurde er im Badischen nicht. Er versuchte, in einem Rundfunkchor unterzukommen, aber dort fand man seine Stimme zu speziell. Es folgte ein Engagement in Mönchengladbach, und Vinke wurde Stipendiat des RWV Bochum. In diese Zeit fällt auch sein Gesangsstudium bei Edda Moser. Sie erkannte schon in der erste Stunde sein enormes Potential, drückte ihm die Partitur zu „Ein Schwert verhieß mir der Vater“ in die Hand und versicherte ihm: „Das werden Sie eines Tages singen.“ Kurze Zeit später gab Vinke in Mannheim sein Debut mit vier Wagneropern in einer Saison. 2000 wurde er von der „Opernwelt“ zum Nachwuchssänger des Jahres gekürt, von da an erfolgte stetig und mit zum Teil abenteuerlichen Arabesken der Aufstieg zum Weltstar.

Wann sieht Stefan Vinke rot in Sachen Regie? „Ich lehne keinen Regisseur ab, weil ich denen was zu sagen habe. Allerdings gibt es Regisseure, die ablehnen, mit mir zu arbeiten.“ Einmal, in Melbourne, packte er die Koffer, als der Regisseur darauf bestand, in der „Götterdämmerung“ den toten Siegfried im Adamskostüm auftreten zu lassen. Für die Intendanz keine Frage: der Regisseur musste nachgeben.

Und welchen Rat würde der arrivierte Heldentenor jungen Menschen geben, die eine Sängerkarriere ins Auge fassen? „Überlegt Euch gut, ob ihr das wirklich wollt,“ meint Vinke. Bei Brutto-Einstiegsgehältern von unter 1.700 Euro steht eine lange Durststrecke bevor. „Und fragt genau nach, worauf ihr Euch an einem Haus einlasst.“ Er weiß, wovon er spricht. Sein erstes Engagement bestand aus 111 Abenden in einer Saison – mit Kleinstrollen. Heute ist er „Siegfried“ in Berlin, Wien, Bayreuth, München, New York …