Jüdisches Leben in Frankfurt

Große Delegation des RWV Frankfurt zu Gast in der Westend-Synagoge

Im Frankfurter Westend steht eine der wenigen Synagogen Deutschlands, die – wenn auch stark beschädigt – die Reichspogromnacht vor 80 Jahren und den zweiten Weltkrieg überdauert haben. 40 Mitglieder des RWV Frankfurt waren dort am 7. November zu Gast, um sich über jüdisches Leben in ihrer Stadt zu informieren.

Foto: RWV Frankfurt

Die Westend-Synagoge wurde 1910 eingeweiht. Das architektonische Schmuckstück, das mit dem Monumentalbau entstand, zeugte vom Selbstbewusstsein eines liberalen jüdischen Bürgertums in Frankfurt. Die Synagoge erhielt sogar eine Orgel, obwohl das Instrument im jüdischen Gottesdienst keine Funktion hat. 30.000 Mitglieder zählte damals die jüdische Gemeinde, nach dem Holocaust waren es weniger als 300.

Schon kurz nach Kriegsende wurde im Rahmen der Wiedergutmachung mit einer zunächst schlichten und provisorischen Wiederherstellung der Synagoge begonnen. Die Glasfenster gestaltete der Vertreter des Neuen Frankfurt Hans Leistikow. Nach aufwändiger Rekonstruktion, die von 1988 bis 1994 dauerte, erhielt die Synagoge samt eindrucksvoller Kuppel die heutige Gestaltung in blau und gold – auch die assyrisch-ägyptischen Zitate erstrahlen wieder glanzvoll. Inzwischen gehören zur jüdischen Gemeinde Frankfurts mehr als 7.000 Mitglieder, mit vielen jungen Familien. Dahinter steht eine eindrucksvolle Integrationsleistung. Tausende Zuwanderer aus Russland und Osteuropa, häufig zunächst weder mit der Sprache noch mit der lateinischen oder hebräischen Schrift vertraut, mussten eingebunden werden. Dass es gelungen ist, zeigt ein reiches Gemeindeleben: es gibt jüdische Schulen, Kindergärten und Kitas, eine jüdische Volkshochschule und kulturelle Veranstaltungen sowie Einrichtungen für alle Lebensalter und -lagen.

In der Westend-Synagoge werden heute Gottesdienste aller jüdischer Glaubensrichtungen gefeiert, von zwei Rabbinern und einer Rabbinerin, wobei die große Mehrheit der konservativ-orthodoxen Strömung angehört. Frauen sitzen von den Männern getrennt im Gebetsraum, hinter Vorhängen oder auf der oberen Etage. Gemischte Chöre, wie zu Zeiten des liberalen Reformflügels vor 100 Jahren sind heute einem reinen Männerchor gewichen. Das Festhalten an Traditionen, das in vielen jüdischen Familien ganz selbstverständlich praktiziert wird, ist ein unverrückbarer Pfeiler des Glaubens. Dazu gehört auch Wohltätigkeit gegenüber der Gemeinde und ihrer Mitglieder. Der prachtvolle Kristall-Kronleuchter in der Haupthalle war ebenso eine private Spende, wie die luxuriöse Mikwe, die den Frauen für das rituelle Bad dient. Für die Frankfurter Wagner-Freunde war es eine beeindruckende und lehrreiche Begegnung in und mit der jüdischen Gemeinde.