Macht Platz für den Meister

Bäppi’s humorvoller Rundgang durch die Neue Altstadt

Frankfurt hat nicht nur den größten Flughafen Deutschlands und eine der spannendsten Skylines Europas; es hat jetzt auch die Neueste Altstadt der Welt. Sie wurde erst vor wenigen Tagen im Rahmen eines großen Festes mit 300.000 Besuchern eröffnet.

Der Hühnermarkt mit Stoltze-Denkmal in der Neuen Frankfurter Altstadt an einem prachtvollen Oktober-Samstag – Foto: RWV Frankfurt

Bei einem Spaziergang haben sich 40 Frankfurter Wagner-Freunde am vergangenen Samstag Historie und Wiedererstehung des Quartiers zwischen Dom und Römer von Thomas Bäppler-Wolf alias Bäppi La Belle erklären lassen. Dabei war seine Ähnlichkeit mit einem berühmten Leipziger Komponisten, der in Bayreuth sein Festspiel-Glück fand und 1862 in Frankfurt erstmals seinen Lohengrin selbst dirigierte, rein zufällig (oder vielleicht auch nicht). Obwohl: Richard Wagner maß keine 1,95 m und sein Gehrock war auch etliche Konfektionsnummern kleiner. Egal: Thomas Bäppler-Wolf stöberte im Fundus der Oper Frankfurt, um dem Meister für sein Zielpublikum so nah wie möglich zu kommen. Einzig auf den Bart verzichtete er wegen der sommerlichen Temperaturen im Oktober. Dafür brachte Bäppi seinen Ramses mit. Der niedliche Hund durfte für den Nachmittag Wagner’s Russ mimen – typisch Bäppi eben.

Thomas Bäppler-Wolf alias Bäppi La Belle alias „der Meister“ umgeben von seinen Fans in der Neuen Frankfurter Altstadt – Foto: RWV Frankfurt

Beim 1 3/4-stündigen Rundgang erzählte der Comedian, Stadtverordnete und profunde Kenner der Stadtgeschichte auf seine umwerfende Art Frankfurter Anekdoten, die nicht jeder kennt. Wo vorher das Technische Rathaus stand, eine „Ikone des brutalistischen Betonbaustils der 70er Jahre“, erheben sich nun drei Dutzend Gebäude. 15 davon sind (nahezu) originalgetreue Rekonstruktionen historischer Bauten, wie die Goldene Waage. Binnen weniger Tage haben die Frankfurter die Gudd Stubb mit ihren Gassen, dem heimeligen Hühnermarkt, den reich dekorierten Fachwerkbauten und schieferbedeckten Dächern ins Herz geschlossen. Alles, was die Mainmetropole einst bedeutend machte, war auf diesem – heute so beschaulich wirkenden – Areal angesiedelt: die Geburtsstätte der Börse und die frühen Messehöfe, reiche Patrizierhäuser (in einem wohnte natürlich auch Goethe für sechs Monate) und der Krönungsweg zwischen dem Kaiserdom und dem Rathaus. Erschallte dort beim Zug der gekrönten Häupter früher der Ruf: „Macht Platz für den Kaiser!“, so hieß es jetzt für unseren Bäppi: „Macht Platz für den Meister!“