Parsifal-Sound aus 8.801 Pfeifen

Andreas Boltz präsentiert die Klais-Orgel im Frankfurter Dom

Richard Wagner hat bekanntlich auf die Komposition großer Orgelwerke verzichtet. Seine heutigen Fans lassen sich trotzdem für dieses Instrument begeistern: 60 Mitglieder folgten am 17. März der Einladung des RWV Frankfurt zur Orgelmatinee und -führung im Dom St. Bartholomäus, der ehemaligen Krönungskirche deutscher Kaiser.
Dommusikdirektor Andreas Boltz hatte speziell für diese Gäste das Programm der Matinee gestaltet: Nach Stücken von Bach und Reger folgte als Hommage an den Bayreuther Meister der „Karfreitagszauber“ in einer Bearbeitung von Edwin Lemare. 

Vier Manuale, 115 Register und 8801 Pfeifen – ein zeitgenössisches Meisterwerk der Orgelbaufamilie Klais im Dom St. Bartholomäus zu Frankfurt am Main. Foto: C. Jenisch

Dann erwartete Boltz die Gruppe auf der Orgelempore, um sein Instrument mit all seinen Raffinessen vorzustellen. „Eigentlich ist eine Orgel ein gigantisches Blasinstrument mit einer Windanlage als ‚Herz-Lungen-Maschine‘“ erläuterte er. Wer direkt vor dem Pfeifenkasten platziert war, bekam handfest zu spüren, welche Luftmassen bewegt werden müssen, um alles zum Klingen zu bringen. Die sichtbaren Pfeifen machen nur einen Bruchteil des Werks aus; auf fast 9.000 davon bringt es die „Päpstin der Instrumente“ (H. Berlioz), von den kleinsten mit gerade 15 Millimetern bis zu den größten mit rund zehn Metern Länge. Sie ist damit die siebtgrößte Kirchenorgel in Deutschland. Die Bonner Orgelbaufirma Klais hat das neobarocke Werk in den 50er Jahren errichtet und nach und nach auf die heute Größe ausgebaut. Dadurch ist sie ein multifunktionelles Instrument und gleichermaßen für Orgelliteratur des Barock, der Romantik, aber auch für Zeitgenössisches hervorragend geeignet.

Passen nicht alle aufs Bild: 60 Mitglieder sitzen auf der Orgelempore und lauschen Dommusikdirektor Andreas Boltz sowie seinem Instrument. Foto: C. Jenisch

Vom Spieltisch mit vier Manualen und 116 Registern wird nicht nur die Hauptorgel bespielt, sondern auch die kleinere Orgel im Hochchor, was großartige Akustikdimensionen erzeugt. Boltz ließ es sich nicht nehmen, die verschiedenen Pfeifenformen – die schlanken „Streicher“, die breiten „Flöten“, die kraftvollen Prinzipale, die quer in den Raum ragenden spanischen Trompeten und viele andere mehr – mit ihren unterschiedlichen Charakteristiken, Tonhöhen und Lautstärken vorzustellen, gerne mit Beispielen aus „Parsifal“, der es ihm offenbar angetan hat. Er könne sich gut vorstellen, den „Karfreitagszauber“ künftig in der Fastenzeit ins Programm zu nehmen, trotz der jedes Mal sehr aufwändigen Registrierung. Der Orgel fehlt noch eine digitale Setzeranlage auf der man die Werke dauerhaft einrichtet und speichert. Die aber kostet einen sechsstelligen Betrag, und das Hochbauamt Frankfurt, das Herr über alle Kirchen und deren Ausstattung ist, wird sich angesichts der aktuellen Kassenlage nicht so leicht dafür gewinnen lassen.
Am 25. Mai gibt es im Dom eine Orgelnacht mit Musik aus Schottland – eine weitere Gelegenheit die Frankfurter „Päpstin“ zu erleben. 

Andreas Boltz spielte für die Frankfurter Wagner-Freunde den „Karfreitagszauber“ aus „Parsifal“ in der Orgel-Transkription von Edwin H. Lemare. Foto: C. Jenisch