Wagners „große lange Dinger“

Parsifal wird zum Erweckungserlebnis unserer Bayreuth-Stipendiaten

Vor dem Königsportal des Bayreuther Festspielhauses am 07.08.2018:
(v.l.n.r. oben) Iain MacNeil, Jule Heidmann, Lianyi Zhang, Robin Wächtershäuser
(v.l.n.r. vorne) Dalila Denic, Julie Sekinger, Rose Wießler (stv. Vorsitzende), Anna Stepanova, Charlotte Glöckner, Agnes Peregi

Bis zu seiner Bayreuth-Reise wusste Robin Wächtershäuser über Richard Wagner vor allem, dass dieser „große lange Dinger“ geschrieben hat. Bereits bei der ersten Vorstellung im Festspielhaus hat es ihn dann gepackt: Den jungen Komponisten überlief schon beim Lohengrin-Vorspiel eine Gänsehaut, wie er freimütig eingestand. Im Holländer entdeckte er ideale Vorlagen für Filmmusik, und er war gefesselt von der „total spannenden Harmonik“ im Parsifal.

Es sind jedes Mal anregende Abende mit neuen Blickwinkeln auf Wagners Werk und die Festspiele, wenn unsere Bayreuth-Stipendiaten mit ansteckender Begeisterung von ihrem Aufenthalt dort erzählen. Drei von ihnen konnten beim Jour Fixe in Badia’s Schirn Café nicht dabei sein: Dalila Denic und Iain MacNeil steckten in wichtigen Opernproben und Jule Heidmann produziert gerade mit ihrer Duo-Partnerin (ROMIE) eine CD in Irland.

Unvergesslich bleiben die Festspieltage für Charlotte Glöckner, Pianistin und ebenfalls angehende Komponistin: „Das Erlebnis Bayreuth hat mich vollkommen verändert, nicht nur musikalisch, sondern auch menschlich“ berichtete sie. Sie sei ohne besondere Wagner-Affinität angereist und Parsifal habe sie zum Wagner-Fan werden lassen. Als exemplarisch für ihr persönliches Erweckungserlebnis darf wohl auch das As-Dur in „Erlösung dem Erlöser“ gelten.

Agnes Peregi als dritte in unserer diesjährigen Komponistenriege hat dort entdeckt, dass der heutige Nachwuchs von dieser „alten“ Musik viel lernen kann. Positiv empfand sie bei den Aufführungen im Festspielhaus übrigens das Fehlen von Übertiteln, das von einigen beklagt wird: so könne man die Oper ohne Ablenkung genießen.

Lianyi Zhang freute sich, als Pianist ein Stipendium erhalten zu haben – wodurch er sich Wagners Schwiegervater Liszt noch mehr verbunden fühlt. Seine erste Annäherung an Richard Wagner hatte über einen Besuch in Neuschwanstein stattgefunden, dessen Bau aus der Begeisterung Ludwig II. für den Lohengrin hervorging. Diese Oper nun erstmals und gleich in Wagners Festspielhaus zu hören, wo durch den abgedeckten Orchestergraben die Musik „von überall her“ kommt, war für Zhang ein ganz besonderes Erlebnis.

Auch Julie Sekinger war von der hinreißenden Akustik und der Ausgewogenheit des Klangs im Festspielhaus begeistert; dank dieser Akustik, so befand die angehende Sopranistin, müssten die Sänger wohl auch kein „Wahnsinnsorgan“ haben, um über das Orchester zu kommen. Sie hatte sich zudem für das Internationale Stipendiatenkonzert der Richard Wagner-Stipendienstiftung qualifiziert und genoss es, mit Profis wie Günther Groissböck aufzutreten.

Die Pianistin Anna Stepanova war schon in ihrer Heimat Moskau eine begeisterte Anhängerin Richard Wagners. Für sie wurde die Reise zu den Festspielen die Erfüllung eines langjährigen Traums. Auch sie hat der Parsifal besonders bewegt: „Eine unglaubliche archaische Kraft, die mich voll und ganz erschüttert hat.“ In Bayreuth ist für Anna Stepanova die Vergangenheit noch sehr präsent: „Nach 142 Jahren kann man dort die Spuren des Meisters erleben und sehen, was aus seiner Genialität, aber auch seiner Disziplin und Arbeitsfreude entstanden ist.“

Die neun Stipendiaten reisten auf Einladung des RWV Frankfurt vom 5. bis 10. August 2018 zu den Bayreuther Festspielen und erlebten dort Lohengrin, Der fliegende Holländer und Parsifal.