Zum Raum wird hier das Werk

Fünf energiegeladene Bayreuther Festspieltage

Mensch und Natur haben alles aufgeboten, um den 250 aus aller Welt angereisten Stipendiaten (und natürlich dem sie begleitenden Wagner-Fan) ein unvergessliches Festspielerlebnis zu bereiten. Vom 14. bis 19. August erlebten die jungen Künstler einen Musiktheater-Intensivkurs, der natürlich im Zeichen des Bayreuther Meisters stand. Los ging es mit der vollkommen zu Recht umjubelten Barrie Kosky-Neuinszenierung „Die Meistersinger von Nürnberg“. Hier traf eine perfekte, das komödiantische im Werk nicht verleugnende  Personenregie auf Sängerdarsteller von Weltklasse. Dabei vergaß Kosky bei aller Spielfreude nicht, auch die „dunkle Seite der Macht“ auf die Bühne zu bringen – freilich ohne den moralischen Zeigefinger überzustrapazieren. Dies wurde gerade im 2. Akt während der „Prügelfuge“ deutlich. Fast surreal dazu die Szenen drinnen und draußen: Während das Nürnberger Volk auf der Bühne von gegenseitigen Handgreiflichkeiten absah, bewies die Natur über dem Festspielhaus, zu welcher Zerstörung sie fähig ist. Binnen Minuten ließen Gewitter und Sturm Bäume entwurzeln und die berühmte „W“-Fahne hing schlapp im Geäst über dem Restaurant.

Unsere 10 Frankfurter Stipendiaten – noch vor dem „Meistersinger“-Sturm – im Festspielpark. Stehend (v.l.n.r.): Florencia Araujo, Timofej Stordeur, David Högermeyer, Florian Richard, Theresa Bub, Thesele Kemane, Andres Hancke, Anastasia Watterston. Vorne: Dirk Jenders (RWV Frankfurt), Leonie Domesle, Harald Hieronymus Hein (Foto: RWV Frankfurt – zum Vergrößern ins Bild klicken)

Einen musikalischen Hochgenuss bot auch der zweite Abend „Tristan und Isolde“. Unser anschließendes Abendessen für die Stipendiaten aus Frankfurt & Leipzig stellte mit 35 Teilnehmern einen neuen Rekord auf. Neben der in Frankfurt engagierten Mezzosopranistin Tanja Ariane Baumgartner (Fricka im „Ring des Nibelungen“) nahmen der einzige Stipendiat des RWV Magdeburg und die ehemalige Bayreuth-Solistin Carola Guber (Mezzosopran, jetzt Musikhochschule Leipzig) als Gäste teil. Hier konnten sich die jungen Künstler in idealer Weise mit den Festspielprofis vernetzen und diese Chance nahmen sie auch wahr. Zum Abschluss der Stipendiatenwoche wurde „Die Walküre“ gegeben. An Frank Castorfs Sicht auf den Nibelungen-Stoff störte sich zumindest an diesem Abend niemand mehr, Sänger und Orchester wurden gefeiert und die Natur trug mit einem erneut heftigen Gewitterregen zum „4. Akt“ bei. Wer Glück hatte, kam gerade noch trocken ins Auto. Lob gebührt der Richard-Wagner-Stipendienstiftung. Das Team um Dr. Stefan Specht organisierte wieder ein großartiges Rahmenprogramm und so fuhren auch die 10 Frankfurter Stipendiaten mit vielen Eindrücken und neu begründeten Freundschaften nach Hause. Sie werden uns am 20. September im Mitglieder-Jour Fixe berichten.