Bayreuth-Stipendiaten als Quizmaster

Ein spielerischer Erfahrungsbericht vom Grünen Hügel

Bevor die diesjährigen Bayreuth-Stipendiaten im Dr. Hoch’s Konservatorium ihren großen Auftritt hatten, mussten die Mitglieder dort zunächst eine jährliche Pflichtübung erfüllen. Dass sie dies sogar gerne taten, beweist die Rekordbeteiligung an der Jahresmitgliederversammlung: 32% der 206 Mitglieder nahmen teil. Die Agenda ließ auch Raum für eine durchaus lebhafte Diskussion über aktuelle Entwicklungen bei den Bayreuther Festspielen. Der Hügel bietet eben immer eine Bühne für Kritik und kontroverse Ansichten.

Im zweiten Teil des Treffens standen die vom RWV Frankfurt geförderten jungen Talente im Mittelpunkt. Sie konnten nach zweimaliger Verschiebung in diesem Sommer endlich die Festspiele besuchen. Die sechs, die den Abend gestalteten – vier waren aus beruflichen bzw. gesundheitlichen Gründen verhindert – ließen dabei überzeugend erkennen, dass vieles Eindruck auf sie gemacht hat. Vielleicht konnten sich die Eindrücke auch deshalb so nachhaltig verfestigen, weil „auf dem Hügel niemand in Eile ist. Es gibt keinen Ort, den es noch zu erreichen gilt, man ist immer schon da.“ So jedenfalls formulierte es die angehende Regisseurin Laura Nikolich in ihrer digitalen Botschaft an die Mitglieder. Und die Komponistin Marisa Algari erfuhr die Wirkung des Gesamtkunstwerks in der Vorstellung von Der fliegende Holländer. „Das hat mich wirklich umgehauen“, teilte sie den Mitgliedern in einem Brief nachträglich mit.

Foto-Collage: RWV Frankfurt

Für Auflockerung und Kurzweil sorgte ein Quiz. Die Gäste im Saal sollten Antworten zuordnen, die die sechs im Vorfeld auf bestimmte Fragen gegeben hatten. Zum Beispiel nach der größten Überraschung in Bayreuth (das Auftauchen von Alice Weidel / die Bratwurstpreise / Thielemann am Nachbartisch im Café), Highlights des Aufenthalts (die Gänsehaut beim erstmaligen Betreten des Festspielhauses / die Akustik / die Erkenntnis, dass Wagner nicht gebrüllt werden muss), die größte Enttäuschung (die fränkische Küche) oder der komischste Moment (der Mann, der immer dann aufstand, wenn das Licht ausging, um sein Jackett auszuziehen). Sicher überraschend war zudem die Feststellung einer Stipendiatin, Wagners Opern seien zu kurz…

Den Rätselspaß rahmten die jungen Sänger und Instrumentalisten mit Proben ihres Könnens ein. Vasil Bogoevski spielte virtuos Sarabande und Gigue aus der Partita Nr. 2, d-Moll, für Violine solo von Johann Sebastian Bach. Damit war er im August auch im Internationalen Stipendiatenkonzert in Bayreuth zu erleben. Benjamin Hee sang mit einem warmen, vollen Bariton zuerst den Abendstern von Clara Schumann, dann Du holde Kunst von Franz Schubert und abschließend Mondnacht in der selten gehörten Vertonung von Johannes Brahms. Am Klavier wurde er einfühlsam vom Jazz-Pianisten Sören Riesner begleitet. Auch Juliette Bourette wartete mit einer Spezialität auf. In Mozarts Sonate für Fagott und Violoncello in B-Dur ersetzte sie das Cello durch einen zweiten Fagottisten, eine ebenso interessante wie ansprechende Fassung. Viola Fricke, die zuvor souverän das Bayreuth-Rätsel moderiert hatte, zeigte ihre Interpretationskunst mit zwei Sätzen aus der Bach-Suite Nr. 2 d-Moll für Violoncello, hier in der Transkription für ihr Instrument, die Bratsche. Das ausdrucksstarke Finale gestaltete Bassbariton Leon Tschakachow mit Franz Schuberts Gruppe aus dem Tartarus.

Mit einem herzlichen Dankeschön an Rose Wießler und Dirk Jenders für ihre „von großer Hingabe und Sanftmut geleiteten Betreuung“ sowie mit einem Dank an die Mitglieder für die Ermöglichung des besonderen Erlebnisses Bayreuth verabschiedeten sich die jungen Künstler. Gut möglich, dass für den einen oder die andere persönliche Wünsche in Erfüllung gehen: einmal im Orchestergraben mitzuspielen oder im Festspielchor zu singen.