Den ersten Impuls spüren

RWV Frankfurt sponsert zweitägigen Meisterkurs mit Pianist Daniel Heide am Dr. Hoch’s Konservatorium

Mit vollem Einsatz für den Nachwuchs: Daniel Heide – Foto: RWV Frankfurt (zum Vergrößern ins Foto klicken)

18 Schüler und Studierende des Dr. Hoch’s Konservatoriums bewarben sich um eine Teilnahme am Meisterkurs für Kammermusik & Liedbegleitung, der am 12. und 13. November in der Musikakademie im Frankfurter Ostend stattfand. 12 von ihnen wählte das Direktorium zunächst aus. Dass diese bereits stattliche Zahl im Verlauf der spannenden zwei Tage noch auf 15 Teilnehmende anwuchs, lag am aus Weimar angereisten „Meister“, dem Pianisten > Daniel Heide. Seine gewinnende Herangehensweise bei der Arbeit mit den jungen Talenten sprach sich blitzschnell im Haus herum.

Wer als Zaungast dabei war, wurde Zeuge, mit welcher Freude, ja Hingabe Daniel Heide seine musikpädagogische Erfahrung aus 13 Jahren Dozententätigkeit in Berlin und Weimar ebenso einbrachte, wie die virtuose Interpretationskunst des international gefragten Liedbegleiters und Konzertpianisten. Als Partner renommierter Gesangssolisten, darunter Christoph Prégardien, Andrè Schuen, Konstantin Krimmel und Simone Kermes, hat er bisher über 70 Liederabende aufgeführt. Mit dem Bassisten Andreas Bauer Kanabas spielte er soeben den „Schwanengesang“ von Franz Schubert ein. Diesen Liederabend gaben beide Künstler dem RWV Frankfurt im vergangenen Juni; die CD kommt 2022 heraus.

Mit großer Empathie holte er jeden Kursteilnehmenden genau dort ab, wo sie bzw. er sich in der Ausbildung gerade befindet. Und diese Ausgangslage war höchst divers. Vom 18-jährigen Pre-Collage-Schüler (Studienvorbereitung) bis zum über 30-jähringen „Bachelor of Music“-Aspiranten reichte die Bandbreite. Schnell wurde deutlich, dass die Vermittlung von Technik in der Ausbildung dominiert. Dabei fällt dem „körperlichen Aufbau bereits vor Erklingen des ersten Tons“ und dem gestalterischen Element durch Mimik und Gestik eine ebenso hohe Bedeutung zu – gerade bei der Interpretation eines Liedprogramms. So ermunterte Daniel Heide beispielsweise dazu, mit einem Musikstück nicht aus dem Stand loszulegen, sondern sich zuvor „den ersten Impuls zu erspüren“. Auch die Interaktion zwischen Pianist und Sänger während des Vortrags sei elementar. Überhaupt brauche man im Studium  Sparringspartner, mit denen man beständig Programme erarbeite. „Einzelkämpfer haben es schwer.“ 

Die Werke, die von den jungen Leuten in den Kurs eingebracht wurden, hatten es zum Teil in sich, was den Profi erstaunte. So fanden sich darunter schwere, komplexe Lieder, wie „Die junge Nonne“ von Franz Schubert oder „Von ewiger Liebe“ von Johannes Brahms. Es gäbe große Namen im Klassikbetrieb, die für eine gelungene Wiedergabe eines solchen Repertoires durchaus bis zu 15 Jahre benötigten, stellte er fest. Insofern reichten jeweils 45-minütige Unterrichtseinheiten natürlich nicht aus. Jedoch verstand es Heide, wichtige Erkenntnisprozesse auszulösen, die nachwirken. Ein „dynamischer Terrassenaufbau“ etwa helfe bei der dramaturgischen Anlage eines Liedvortrages. Dieser zeichne sich durch strophen- bzw. intervallartige Steigerungen und Reduktionen aus und helfe dabei, „das ganze Pulver nicht schon zu Beginn zu verschießen“. Ein „Gewitter am Anfang“ ließe sich eben kaum noch steigern. Auch ganz praktische Tipps gab es: zum Beispiel die Vermeidung eines „Schnütchens“ beim Singen, da es den Tonumfang und die Textverständlichkeit beeinträchtige. 

Jedenfalls gab Daniel Heide an beiden – jeweils 10 Zeitstunden umfassenden – Tagen alles, um jede Menge Feedback zu geben. Und so stellten sich bemerkenswerte Erfolge ein, wie man zum Abschluss im vom „Meister“ moderierten und teilweise am Flügel begleiteten Werkstattkonzert erleben konnte.

Finale mit 15 Meisterschülern: Ein von Daniel Heide moderiertes Werkstattkonzert beschließt zwei intensive Tage – Foto: RWV Frankfurt

Der Richard-Wagner-Verband Frankfurt übernahm das Exklusiv-Sponsoring des Meisterkurses. Üblicherweise vergibt er jeden Sommer 10 Stipendien für den Besuch der Bayreuther Festspiele. Das war in diesem Sommer Pandemie-bedingt nicht in gewohntem Umfang möglich. Daher entschloss man sich zu diesem attraktiven Ausbildungsangebot zu Gunsten des künstlerischen Nachwuchses in Frankfurt.