Es gibt auch lustige Bässe

Andreas Bauer Kanabas eröffnet den neuen Online-Treff des RWV Frankfurt

Es war ein Versuch und es wurde ein voller Erfolg. Gut ein Viertel der Mitglieder im RWV Frankfurt, ca. 55 Gäste, loggten sich zur Premiere des virtuellen Frankfurter Wagner-Salons ein. Für nicht wenige war es der erste Online-Treff überhaupt; dank der hervorragenden Unterstützung durch das Frankfurter NIHMA-Team gelang ein reibungsloser Ablauf. Dass es ein spannendes und überaus heiteres Ereignis wurde, danken wir auch der perfekten Vorbereitung und Moderation unseres Vorsitzenden Dirk Jenders, vor allem aber unserem Gast Andreas Bauer Kanabas.

Über Corona reden zu müssen, ist nicht lustig. Bass Andreas Bauer Kanabas (links) im Gespräch mit Dirk Jenders

Auch für Andreas Bauer Kanabas – seinen zweiten Nachnamen führt er seit 2018 in Würdigung seiner böhmischen Großeltern, die das musikalische Erbe in die Familie brachten – war der virtuelle Besucheransturm auf sein Wohnzimmer eine neue Erfahrung. Ein Vorzug: am Bildschirm ist er für jeden gleichermaßen präsent. Und das Format machte es möglich, den großartigen Sängerdarsteller auch in eingespielten Videos von Liederabenden und Opernvorstellungen zu erleben, Fotos von außergewöhnlichen Inszenierungen sowie spektakulären Kostümen zu zeigen und ein wenig die Privatperson kennenzulernen – beim Bergsteigen, Boot fahren sowie als begeisterter Angler. Mit Fischen als kapitalem Fang in der Hand gucke er immer besonders glücklich, sage seine Frau. Als weniger glücklich sollte sich die Entscheidung erweisen, die aktuelle Saison unbezahlten Urlaub vom Frankfurter Ensemble zu nehmen, um verheißungsvolle Projekte zu verfolgen. Nach anfänglicher Enttäuschung, Wut, ja Depression über verhagelte Pläne, habe er aber inzwischen seinen Frieden mit Corona gemacht. Dieses ernste Thema blieb der einzige Moll-Akkord des Abends.

Über die bisherige Karriere sprechen zu dürfen, ist durchaus mit viel Spaß verbunden. Andreas Bauer Kanabas als Mephisto in Riga.

Mehr als siebzig Opernrollen umfasst sein Repertoire, das sich der ehemalige Bayreuth-Stipendiat (2006) in seinen bisherigen Engagements in Annaberg-Buchholz, Würzburg, an der Staatsoper Berlin und seit 2013 in Frankfurt aneignete. Weitere, wie der Pogner, sollen dazukommen, und selbst als international gefragter Sänger arbeitet er nach wie vor daran, seine Stimme weiter zu entwickeln: „Irgendwann in einem glücklichen Moment platzt der Knoten. Dann wird die Ansammlung von Quantität zu Qualität.“ Besonders lyrische Basspartien, wie etwa der (italienische wie französische!) König Philipp in Verdis „Don Carlos“, könnten vieles lösen.

Andreas Bauer Kanabas in seiner ersten Frankfurter Rolle: Nachtwächter in Oedipe 2013

Pandemie-bedingt um einige Monate verzögert erscheint im November eine CD mit seinen Visitenkarten: König Marke, König Philipp, Wassermann und Herzog Blaubart, aufgenommen 2019 mit Orchester in Riga. Mit der Hauptstadt Lettlands und seinen musischen Menschen pflegt der aufgeschlossene Sänger seit mehr als fünf Jahren eine enge Verbindung.

Riga wird auch den 2. Wagner-Salon des RWV Frankfurt am 17. Februar bestimmen. Es geht dann um die Sanierung des ehemaligen Deutschen Theaters der Stadt, das zum „Gesamtkunstwerk21“ wiedererstehen wird. An diesem Haus wirkte Wagner von 1837 bis 1839.

Im Juni soll es im Dr. Hoch’s Konservatorium ein Wiedersehen und –hören mit dem höchst sympathischen Künstler geben. Zusammen mit dem Pianisten Daniel Heide gibt er dem RWV Frankfurt einen Lieder- und Balladenabend u.a. mit einer reizvollen, da tiefergelegten Fassung von Schuberts „Schwanengesang“. Dieses Programm soll 2022 als CD erscheinen.

Künstler-Homepage > www.kanabas.de

Eine gelungene Premiere mit weit über 50 Teilnehmer*innen – hier der Ausklang nach dem offiziellen Teil.

Der digitale Wagner-Salon wurde weit mehr als eine Notlösung für die von Corona durchkreuzte Programmplanung. Kann das Format ein Ersatz für eine persönliche Begegnung der Mitglieder mit dem Künstler sein, die sich mancher gewünscht hätte? Die Frage stellt sich so nicht (mehr!). Es ist eine Alternative mit ganz eigenen Möglichkeiten und Vorzügen. So blieben nach dem fast zweistündigen Gespräch noch einige Mitglieder eine weitere zwanglose Stunde beim Plausch im virtuellen Raum beisammen. Fortsetzung folgt.