Neuer Sehnsuchtsort für Wagner-Fans

Der 2. Frankfurter Wagner-Salon informierte über die Renaissance des Wagner Theaters in Riga

Das ehemalige deutsche Theater in Riga – Richard Wagner dirigierte hier von 1837 bis 1839

Tiefe Risse in Decken und Wänden, bröckelnder Putz und allerlei Verunstaltungen während der letzten 100 Jahre, aber auch gut erhaltene Säle, in denen der alte Glanz noch zu spüren ist – so präsentiert sich momentan das ehemalige Deutsche Theater in Riga. Jetzt soll der Bau von 1782, der einst Stadtpalais und Gesellschaftshaus zugleich war, als Wagner Theater Riga – GesamtkunstWERK 21 zu neuem Leben erweckt werden.

Bei unserem 2. Online-Mitgliedertreff am 17. Februar luden Mechthild Foet und Dr. Konrad Winckler vom deutsch-lettischen Projektteam zu einer virtuellen Reise in die Stadt ein, in der „Riharda Vagnera“ von 1837 bis 1839 als Kapellmeister tätig war. Videobotschaften von Eva Wagner-Pasquier sowie vom Vorsitzenden des RWV Riga, Maris Gailis, ergänzten ihre Präsentation. Erneut fanden sich über 50 interessierte Gäste zum virtuellen Treffen ein, auch aus befreundeten Wagner-Verbänden.

Die architektonische Anordnung des tiefliegenden Orchestergrabens und des abgedunkelten, stark ansteigenden Parterre inspirierten Wagner zur Gestaltung seines späteren Bayreuther Festspielhauses. In Riga wird mit dem Wagner Theater nicht nur ein vierter Sehnsuchtsort für Wagner-Enthusiasten entstehen – neben Tribschen, Bayreuth und Venedig. Vielmehr soll auf den vorhandenen 5.000 Quadratmetern Zukunftsweisendes geschaffen werden. Es wird Räume für Oper, Schauspiel und Konzerte geben, ein dauerhaftes Domizil für den örtlichen Richard-Wagner-Verband, ein Museum und ein Restaurant. Vor allem aber soll sich dort ein kultureller Leuchtturm Lettlands entwickeln. Mit Stipendienprogrammen und Meisterklassen soll er den künstlerischen Nachwuchs aus ganz Europa anziehen – auch aus den Richard-Wagner-Verbänden – und als ein Inkubator für die Kunst des 21. Jahrhunderts dienen.

Das wiedererstehende Kulturzentrum mitten in der historischen Altstadt von Riga (Weltkulturerbe) darf mit gutem Zuspruch rechnen – nicht nur wegen der Musikbegeisterung der Letten selbst. So werden auch internationale Gäste des Jurmala Musik Festivals sowie der zahlreichen Kreuzfahrtschiffe Veranstaltungen im Wagner Theater besuchen.

35 Millionen Euro sind für Renovierung und Umbau veranschlagt. Die Hälfte davon bringt der lettische Staat selbst auf, dessen Präsident die Schirmherrschaft übernahm. Die Europäische Union beteiligt sich ebenso wie der Deutsche Bundestag an den Kosten. 3 Millionen Euro sollen durch Fundraising eingeworben werden. Erste namhafte Sponsoren wurden bereits gewonnen. Auch die Wagner-Fans in aller Welt sind aufgerufen, zur identitätsstiftenden Realisierung dieses Kultur-Leuchtturms im Norden Europas beizutragen.

Der RWV Frankfurt wird sich mit einer eigenen Spendenaktion (Kennwort „Riga“) einbringen und hofft auf rege Unterstützung seiner Mitglieder. Sie dürfen damit rechnen, dass mit geplanter Fertigstellung 2026 eine Reise nach Lettland angeboten wird, auf der sich die Sponsoren von der Strahlkraft des Projekts überzeugen können.

Dr. Konrad Winckler stellt das Riga-Projekt vor – im Hintergrund ein Modell des Wagner Theaters – Foto: RWV Frankfurt