Macht Platz für den Meister

Bäppi’s humorvoller Rundgang durch die Neue Altstadt

Frankfurt hat nicht nur den größten Flughafen Deutschlands und eine der spannendsten Skylines Europas; es hat jetzt auch die Neueste Altstadt der Welt. Sie wurde erst vor wenigen Tagen im Rahmen eines großen Festes mit 300.000 Besuchern eröffnet.

Der Hühnermarkt mit Stoltze-Denkmal in der Neuen Frankfurter Altstadt an einem prachtvollen Oktober-Samstag – Foto: RWV Frankfurt

Bei einem Spaziergang haben sich 40 Frankfurter Wagner-Freunde am vergangenen Samstag Historie und Wiedererstehung des Quartiers zwischen Dom und Römer von Thomas Bäppler-Wolf alias Bäppi La Belle erklären lassen. Dabei war seine Ähnlichkeit mit einem berühmten Leipziger Komponisten, der in Bayreuth sein Festspiel-Glück fand und 1862 in Frankfurt erstmals seinen Lohengrin selbst dirigierte, rein zufällig (oder vielleicht auch nicht). Obwohl: Richard Wagner maß keine 1,95 m und sein Gehrock war auch etliche Konfektionsnummern kleiner. Egal: Thomas Bäppler-Wolf stöberte im Fundus der Oper Frankfurt, um dem Meister für sein Zielpublikum so nah wie möglich zu kommen. Einzig auf den Bart verzichtete er wegen der sommerlichen Temperaturen im Oktober. Dafür brachte Bäppi seinen Ramses mit. Der niedliche Hund durfte für den Nachmittag Wagner’s Russ mimen – typisch Bäppi eben.

Thomas Bäppler-Wolf alias Bäppi La Belle alias „der Meister“ umgeben von seinen Fans in der Neuen Frankfurter Altstadt – Foto: RWV Frankfurt

Beim 1 3/4-stündigen Rundgang erzählte der Comedian, Stadtverordnete und profunde Kenner der Stadtgeschichte auf seine umwerfende Art Frankfurter Anekdoten, die nicht jeder kennt. Wo vorher das Technische Rathaus stand, eine „Ikone des brutalistischen Betonbaustils der 70er Jahre“, erheben sich nun drei Dutzend Gebäude. 15 davon sind (nahezu) originalgetreue Rekonstruktionen historischer Bauten, wie die Goldene Waage. Binnen weniger Tage haben die Frankfurter die Gudd Stubb mit ihren Gassen, dem heimeligen Hühnermarkt, den reich dekorierten Fachwerkbauten und schieferbedeckten Dächern ins Herz geschlossen. Alles, was die Mainmetropole einst bedeutend machte, war auf diesem – heute so beschaulich wirkenden – Areal angesiedelt: die Geburtsstätte der Börse und die frühen Messehöfe, reiche Patrizierhäuser (in einem wohnte natürlich auch Goethe für sechs Monate) und der Krönungsweg zwischen dem Kaiserdom und dem Rathaus. Erschallte dort beim Zug der gekrönten Häupter früher der Ruf: „Macht Platz für den Kaiser!“, so hieß es jetzt für unseren Bäppi: „Macht Platz für den Meister!“

2 x Ritter auf der Buchmesse

Tectum und C.H. Beck Verlag präsentieren Frankfurter Wagner-Kontexte

Der Eröffnungsband unserer neuen Buchreihe Frankfurter Wagner-Kontexte (FWK) über den Komponisten Alexander Ritter wird gleich zweimal auf der Frankfurter Buchmesse präsentiert. In Halle 4.2 (E51) ist er noch bis 14.10. beim C.H. Beck Verlag aus München zu finden und in Halle 3.1 (G91) beim Tectum Verlag aus Baden-Baden.

FWK-Projektleiter und RWV-Vorstandsmitglied Dr. Sven Hartung besuchte heute Tamara Kuhn am Messestand des Tectum Verlages und beide freuten sich über den überaus gelungenen Start der Reihe, deren Herausgeber der RWV Frankfurt ist.

Am Frankfurter Buchmesse-Stand des Tectum Verlages: Tamara Kuhn (Lektorat und Herstellung) und Dr. Sven Hartung (RWV Frankfurt) – Foto: RWV Frankfurt

Seit Erscheinen der Ritter-Biografie des Autors Michael Hofmeister wurden diverse positive Besprechungen veröffentlicht, u.a. auf WDR 3. Michael Schwalb empfahl in der Sendung „Tonart“ vom 27.09.: Wer an den Verbindungen und Verwicklungen des deutschen Musiklebens im 19. Jahrhundert interessiert ist, kann Michael Hofmeisters großes Buch verschlingen wie einen biographischen Roman. Und Dieter David Scholz bescheinigte dem faszinierenden Kapitel deutscher Musikhistorie im Magazin „das Orchester“ (Schott Music) den Rang eines Standardwerks, das eine Lücke in der Musikgeschichtsschreibung geschlossen hat. Chapeau!

Frankfurter Wagner-Kontexte Band 1
Richard-Wagner-Verband Frankfurt am Main
Michael Hofmeister: Alexander Ritter
Leben und Werk eines Komponisten zwischen Wagner und Strauss
Tectum Verlag – 822 Seiten – 17 x 24 cm – Hardcover
59 € (46,99 € als ePDF/ePub)
Weitere Infos finden Sie hier

Wagners „große lange Dinger“

Parsifal wird zum Erweckungserlebnis unserer Bayreuth-Stipendiaten

Vor dem Königsportal des Bayreuther Festspielhauses am 07.08.2018:
(v.l.n.r. oben) Iain MacNeil, Jule Heidmann, Lianyi Zhang, Robin Wächtershäuser
(v.l.n.r. vorne) Dalila Denic, Julie Sekinger, Rose Wießler (stv. Vorsitzende), Anna Stepanova, Charlotte Glöckner, Agnes Peregi

Bis zu seiner Bayreuth-Reise wusste Robin Wächtershäuser über Richard Wagner vor allem, dass dieser „große lange Dinger“ geschrieben hat. Bereits bei der ersten Vorstellung im Festspielhaus hat es ihn dann gepackt: Den jungen Komponisten überlief schon beim Lohengrin-Vorspiel eine Gänsehaut, wie er freimütig eingestand. Im Holländer entdeckte er ideale Vorlagen für Filmmusik, und er war gefesselt von der „total spannenden Harmonik“ im Parsifal.

Es sind jedes Mal anregende Abende mit neuen Blickwinkeln auf Wagners Werk und die Festspiele, wenn unsere Bayreuth-Stipendiaten mit ansteckender Begeisterung von ihrem Aufenthalt dort erzählen. Drei von ihnen konnten beim Jour Fixe in Badia’s Schirn Café nicht dabei sein: Dalila Denic und Iain MacNeil steckten in wichtigen Opernproben und Jule Heidmann produziert gerade mit ihrer Duo-Partnerin (ROMIE) eine CD in Irland.

Unvergesslich bleiben die Festspieltage für Charlotte Glöckner, Pianistin und ebenfalls angehende Komponistin: „Das Erlebnis Bayreuth hat mich vollkommen verändert, nicht nur musikalisch, sondern auch menschlich“ berichtete sie. Sie sei ohne besondere Wagner-Affinität angereist und Parsifal habe sie zum Wagner-Fan werden lassen. Als exemplarisch für ihr persönliches Erweckungserlebnis darf wohl auch das As-Dur in „Erlösung dem Erlöser“ gelten.

Agnes Peregi als dritte in unserer diesjährigen Komponistenriege hat dort entdeckt, dass der heutige Nachwuchs von dieser „alten“ Musik viel lernen kann. Positiv empfand sie bei den Aufführungen im Festspielhaus übrigens das Fehlen von Übertiteln, das von einigen beklagt wird: so könne man die Oper ohne Ablenkung genießen.

Lianyi Zhang freute sich, als Pianist ein Stipendium erhalten zu haben – wodurch er sich Wagners Schwiegervater Liszt noch mehr verbunden fühlt. Seine erste Annäherung an Richard Wagner hatte über einen Besuch in Neuschwanstein stattgefunden, dessen Bau aus der Begeisterung Ludwig II. für den Lohengrin hervorging. Diese Oper nun erstmals und gleich in Wagners Festspielhaus zu hören, wo durch den abgedeckten Orchestergraben die Musik „von überall her“ kommt, war für Zhang ein ganz besonderes Erlebnis.

Auch Julie Sekinger war von der hinreißenden Akustik und der Ausgewogenheit des Klangs im Festspielhaus begeistert; dank dieser Akustik, so befand die angehende Sopranistin, müssten die Sänger wohl auch kein „Wahnsinnsorgan“ haben, um über das Orchester zu kommen. Sie hatte sich zudem für das Internationale Stipendiatenkonzert der Richard Wagner-Stipendienstiftung qualifiziert und genoss es, mit Profis wie Günther Groissböck aufzutreten.

Die Pianistin Anna Stepanova war schon in ihrer Heimat Moskau eine begeisterte Anhängerin Richard Wagners. Für sie wurde die Reise zu den Festspielen die Erfüllung eines langjährigen Traums. Auch sie hat der Parsifal besonders bewegt: „Eine unglaubliche archaische Kraft, die mich voll und ganz erschüttert hat.“ In Bayreuth ist für Anna Stepanova die Vergangenheit noch sehr präsent: „Nach 142 Jahren kann man dort die Spuren des Meisters erleben und sehen, was aus seiner Genialität, aber auch seiner Disziplin und Arbeitsfreude entstanden ist.“

Die neun Stipendiaten reisten auf Einladung des RWV Frankfurt vom 5. bis 10. August 2018 zu den Bayreuther Festspielen und erlebten dort Lohengrin, Der fliegende Holländer und Parsifal.

Wir wollen keine Gralshüter sein

RWV Frankfurt im Portrait der Zeitungen der VRM-Verlagsgruppe 

Am 25. Juli, dem Tag der Eröffnung der diesjährigen Bayreuther Festspiele, erschien in den Zeitungen der VRM-Verlagsgruppe eine Festspiel-Seite, in deren Mittelpunkt ein Portrait des RWV Frankfurt, dem „etwas anderen Fanclub“, stand.

Kultur-Redakteur Volker Milch interessierte sich in seinem Recherche-Gespräch mit Dirk Jenders insbesondere für das Phänomen des „Wagnerianers“. Und wer den Vorsitzenden des RWV Frankfurt kennt, weiß, dass er die gepflegten Klischees über „den Wagnerianer“ und über Bayreuth nicht so stehenlassen konnte.
Doch lesen Sie selbst.

Den Print- und Online-Artikel finden Sie zudem in unserem Medienspiegel.

Die VRM-Verlagsgruppe mit Sitz in Mainz bringt die Allgemeine Zeitung in Mainz – Bad Kreuznach – Alzey – Bingen, den Wiesbadener Kurier und das Wiesbadener Tagblatt, das Darmstädter Echo, den Gießener Anzeiger, die Wormser Zeitung, Bürstädter Zeitung, Lampertheimer Zeitung und die Main-Spitze Rüsselsheim heraus. Nach eigenen Angaben erreicht die VRM (und damit unser RWV-Portrait) rund 1 Mio. Leser im Rhein-Main-Gebiet.

Frankfurter Wagner-Kontexte – Band 1

RWV Frankfurt vergibt erstmals Publikationsstipendium und eröffnet musikwissenschaftliche Schriftenreihe

Mit der Eröffnung der Schriftenreihe „Frankfurter Wagner-Kontexte“ erweitert der Richard-Wagner-Verband Frankfurt sein bisher auf die jährliche Förderung von 10 jungen Bühnenschaffenden fokussiertes Stipendienprogramm. Durch die zusätzliche Vergabe eines jährlichen Publikationsstipendiums wird künftig ein musikwissenschaftlicher und qualitativ hochwertiger Beitrag zur Richard-Wagner-Forschung geleistet. Das Themenspektrum wird dabei bewusst weit gefasst. Als einzige Voraussetzung haben die primär geförderten Dissertationen einen konkreten Kontext zum Komponisten Richard Wagner zu gewährleisten. Der vorliegende Eröffnungsband von Autor Michael Hofmeister über den Komponisten Alexander Ritter steht exemplarisch dafür.

Mehr über Band 1 der „Frankfurter Wagner-Kontexte“ finden Sie hier
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Glyndebourne!

Operngenuss im Bayreuth Südenglands

Der Landsitz der Familie Christie aus der Tudorzeit mit dem Glyndebourne Opera House von 1996 (Foto: C. Jenisch)

John Christie war ein Opernenthusiast. Schon in den 1920er Jahren veranstaltete er Konzerte, Liederabende und Opernminiaturen, damals noch im Orgelsaal seines Landsitzes. Dabei übernahm er nicht nur die Rolle des Gastgebers. Im Juni 1928 wirkte er auch als Beckmesser im 3. Akt der „Meistersinger“ mit. Durch seine Festspielbesuche in Salzburg und Bayreuth inspiriert, verwirklichte er sich 1934 einen Traum und gründete sein „privates Bayreuth“, also Opernfestspiele samt 311-Plätze-Opernhaus, das er sich neben seinem Landhaus errichten ließ. Eröffnet wurde das Glyndebourne Festival zwar nicht mit Wagner, aber es etablierte sich mit der „Hochzeit des Figaro“ eine bis heute gepflegte Mozart-Tradition. Mit Fritz Busch, Carl Ebert und Rudolf Bing standen ihm gleich zu Beginn drei Opernexperten zur Verfügung, die für Qualität bürgten.

Im Garten von Glyndebourne (Foto: C. Jenisch)

In dritter Generation von Gus Christie geführt, steht Glyndebourne auch heute für Oper auf höchstem internationalen Niveau. Davon konnten sich vom 13. bis 18. Juni die 24 mitgereisten Mitglieder des RWV Frankfurt überzeugen. Dank der hervorragenden Organisation durch Petra Kummrow (Carus Travel) erlebten sie Tage voller kultur-historischer, gartenbauarchitektonischer sowie eben musikalischer Höhepunkte und exklusiver Einblicke.

Die Zusammenfassung der faszinierenden Reise finden Sie hier

Concerto furioso in der HfMDK

Wenn sich die Stipendiaten des RWV Frankfurt vor ihrer Reise zu den Bayreuther Festspielen mit einem Konzert vorstellen, wird das immer ein Programm voller Überraschungen. Die zehn Nachwuchstalente – Frankfurt entsendet von allen weltweiten Wagner-Verbänden nach wie vor die meisten Bayreuth-Stipendiaten – werden von der Oper Frankfurt, von Dr. Hoch’s Konservatorium sowie der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst (HfMDK) benannt. In der HfMDK fand vergangenen Montag erstmals auch unser Stipendiatenkonzert statt, künftig im jährlichen Wechsel mit dem bisherigen Austragungsort Dr. Hoch’s. Präsident Christopher Brandt freute sich in seiner Begrüßung über das Zusammentreffen wichtiger Institutionen bei diesem Ereignis und ganz besonders auf die Auseinandersetzung mit den Werken junger Komponisten, von denen in diesem Jahr gleich drei vertreten sind, allesamt Studierende von Claus Kühnl am Dr. Hoch‘s.

Finale beim Stipendiatenkonzert am 4. Juni 2018 in der HfMDK Frankfurt: Michal Golawski, Iain MacNeil, Dalila Denic, Anna Stepanova, Julie Sekinger, Lianyi Zhang, Charlotte Glöckner, Jule Heidmann, Agnes Peregi und Robin Wächtershäuser (v.l.n.r.) – Foto: RWV Frankfurt

Einen furiosen Einstieg am Klavier gestaltete Michal Golawski vom Opernstudio mit Liszts Schubert-Bearbeitung „Aufenthalt“ und mit Arcadi Volodos frech-fröhlicher Version von Mozarts „Türkischem Marsch“. Die Publikums-Betriebstemperatur stieg dank seiner sofort von 0 auf 100. Ein Töne-Happening war das daran anschließende Stück für vier Lautsprecher von Agnes Peregi. Ihre „Reise ins Ungewisse“ hatte die junge Komponistin aus Geräuschen fahrender Zügen montiert, aus an- und abschwellendem Zischen, Raunen, Dröhnen, Klirren, Rumpeln, Brummen und Klopfen. Auch die beiden Klavierquartette von Robin Wächtershäuser, als Konzertmitschnitte eingespielt, verlangten dem Zuhörer mit ihren brüchigen, instabilen Elementen und ungewöhnlichen Tonfolgen und Geräuschen die volle Aufmerksamkeit ab. Charlotte Glöckner, die Dritte im Bunde der Komponisten, hat ebenfalls Lust auf Experimente. Für ihre „Traumreiche Nacht“ präparierte die ehemalige Oboistin die Saiten des Flügels mit ihren ausgemusterten Oboenblättern, einem Schlüsselbund sowie gefaltetem Papier und fand damit eine effektvolle Klangsprache.
Der Pianist Lianyi Zhang gewann mit dem souverän und einfühlsam vorgetragenen 1. Satz aus Brahms’ Klaviersonate Nr. 1 die Bewunderung des – trotz der tropischen Temperaturen – erfreulich zahlreich erschienenen Publikums. Der Bariton Iain MacNeil aus dem Opernstudio präsentierte sich kraftvoll mit Roberts Arie aus „Iolanta“ und „Bella siccome un angelo“ aus „Don Pasquale“. Dalila Denic mit ihrer Mezzosopran-/Altstimme gab mit „Weiche Wotan, weiche!“ schon jetzt ein ehrgeiziges Ziel und viel schauspielerische Ausdruckskraft zu erkennen. Als junger Wotan assistierte ihr Florian Conze. Die Sopranistin Julie Sekinger stellte sich mit der Arie der Lucia und dem Brahms-Lied „Wir wandelten“ vor. Wunderschön dann die Duette der beiden jungen Sängerinnen mit Schumanns „Abendstern“ und Brahms’ „Die Meere“. Und noch einmal stand Wagner auf dem Programm: Anna Stepanova spielte Liszts Klavierbearbeitung von „Isoldens Liebestod“. Sensibler und auch körpersprachlich berührender kann dieses Stück kaum vorgetragen werden. Mit dem letzten Programmpunkt ging es wieder zurück ins hier & jetzt. Die Lehramtsstudierende Jule Heidemann gestaltete mit dem Arlen/Previn-Song „So long Big Time“ den Übergang zur feierlichen Überreichung der Stipendienurkunden. Zusammen mit Paula Stenger, mit der sie das Singer-/Songwriter-Duo „ROMIE“ bildet, ließ sie den Abend mit ihrem neuen Song „Maria“ ausklingen.
Vom 5. bis 10. August werden die zehn jungen Talente den neuen „Lohengrin“ sowie die Wiederaufnahmen „Der fliegende Holländer“ und „Parsifal“ auf dem Grünen Hügel Bayreuths erleben.

Zuhause in Tannhäusers Reich

Es war nicht das erste Mal, dass der RWV Frankfurt eine Reise zum „Tannhäuser“ auf der Wartburg arrangierte. Auch dieses Mal traf er damit ins Schwarze: 38 Mitglieder und Gäste fuhren am 27. April nach Eisenach und erlebten die Oper im Festsaal des Palas der Wartburg. Die Kulisse dieses Prunkraums mit seinen neo-mittelalterlichen Fresken und Verzierungen aus der Mitte des 19. Jahrhunderts – exakt der Schaffenszeit Wagners – passt perfekt zur Musik. Und die Inszenierung von Ansgar Haag vom Staatstheater Meiningen nutzte die besonderen Möglichkeiten, die der Raum eröffnet. Die Sänger agierten nicht nur auf der kleinen Bühne vor dem Orchester, die nur wenige Podien und Sitzgelegenheiten zuließ. Sie bezogen den gesamten Raum mit ein. Auch der hervorragend geführte Chor konnte sich wie sonst nie präsentieren: war er zunächst vom Seitengang des Festsaals aus zu hören, versammelte er sich später auf der Galerie über dem Saal; und als die Rom-Rückkehrer singend im Mittelgang durchs Publikum schritten, löste das bei nicht wenigen Besuchern einen Gänsehauteffekt aus. Auch die Meininger Hofkapelle versetzte ihre Hornisten gelegentlich in ungewohnte Positionen im Saal, und die glockenhelle Stimme des jungen Hirten erklang von einem Balkon in luftiger Höhe. So entstand das Gefühl einer vollkommenen Symbiose von Raum und Musik.

23 der 38 mitgereisten Frankfurter Wagner-Freunde fanden sich zum Gruppenfoto vor der Wartburg ein. Die anderen fütterten derweil die prachtvollen Tauben im Burghof? (Foto: Gerd Coordes)

Scott MacAllister sang den Tannhäuser, die bezaubernde Camila Ribero-Souza gab die Elisabeth, und Deirdre Angenent überzeugte als Venus vor allem beim Auftritt im dritten Aufzug. Herausragend, auch durch seine schauspielerische Leistung, Dae-Hee Shin als Wolfram. Die musikalische Leitung hatte Meiningens Generalmusikdirektor Philippe Bach inne.

Venus – Tannhäuser – Elisabeth – Wolfram nehmen den Schlussapplaus im Festsaal der Wartburg entgegen. Einen authentischeren Ort für den Sängerkrieg gibt es nicht. (Foto: Gerd Coordes)

Eine Reise nach Eisenach kommt natürlich nicht an den Sehenswürdigkeiten der Stadt vorbei: Das Bach-Haus als weltweit größtes Museum für den Komponisten mit seinen exzellent aufgebauten Präsentationen, das Lutherhaus mit einer bemerkenswert gut kuratierten Dauerausstellung, das Thüringen-Museum im Stadtschloss, die Reuter-Wagner-Villa als der ehemalige Wohnort des Dichters Fritz Reuter, oder ganz einfach die baulichen Zeugnisse einer Stadt, die einst den Ehrgeiz hatte, Weltstadt zu werden. Die hervorragende Organisation der Reise ließ auch dafür genügend Raum.

Parsifal-Sound aus 8.801 Pfeifen

Andreas Boltz präsentiert die Klais-Orgel im Frankfurter Dom

Richard Wagner hat bekanntlich auf die Komposition großer Orgelwerke verzichtet. Seine heutigen Fans lassen sich trotzdem für dieses Instrument begeistern: 60 Mitglieder folgten am 17. März der Einladung des RWV Frankfurt zur Orgelmatinee und -führung im Dom St. Bartholomäus, der ehemaligen Krönungskirche deutscher Kaiser.
Dommusikdirektor Andreas Boltz hatte speziell für diese Gäste das Programm der Matinee gestaltet: Nach Stücken von Bach und Reger folgte als Hommage an den Bayreuther Meister der „Karfreitagszauber“ in einer Bearbeitung von Edwin Lemare. 

Vier Manuale, 115 Register und 8801 Pfeifen – ein zeitgenössisches Meisterwerk der Orgelbaufamilie Klais im Dom St. Bartholomäus zu Frankfurt am Main. Foto: C. Jenisch

Dann erwartete Boltz die Gruppe auf der Orgelempore, um sein Instrument mit all seinen Raffinessen vorzustellen. „Eigentlich ist eine Orgel ein gigantisches Blasinstrument mit einer Windanlage als ‚Herz-Lungen-Maschine‘“ erläuterte er. Wer direkt vor dem Pfeifenkasten platziert war, bekam handfest zu spüren, welche Luftmassen bewegt werden müssen, um alles zum Klingen zu bringen. Die sichtbaren Pfeifen machen nur einen Bruchteil des Werks aus; auf fast 9.000 davon bringt es die „Päpstin der Instrumente“ (H. Berlioz), von den kleinsten mit gerade 15 Millimetern bis zu den größten mit rund zehn Metern Länge. Sie ist damit die siebtgrößte Kirchenorgel in Deutschland. Die Bonner Orgelbaufirma Klais hat das neobarocke Werk in den 50er Jahren errichtet und nach und nach auf die heute Größe ausgebaut. Dadurch ist sie ein multifunktionelles Instrument und gleichermaßen für Orgelliteratur des Barock, der Romantik, aber auch für Zeitgenössisches hervorragend geeignet.

Passen nicht alle aufs Bild: 60 Mitglieder sitzen auf der Orgelempore und lauschen Dommusikdirektor Andreas Boltz sowie seinem Instrument. Foto: C. Jenisch

Vom Spieltisch mit vier Manualen und 116 Registern wird nicht nur die Hauptorgel bespielt, sondern auch die kleinere Orgel im Hochchor, was großartige Akustikdimensionen erzeugt. Boltz ließ es sich nicht nehmen, die verschiedenen Pfeifenformen – die schlanken „Streicher“, die breiten „Flöten“, die kraftvollen Prinzipale, die quer in den Raum ragenden spanischen Trompeten und viele andere mehr – mit ihren unterschiedlichen Charakteristiken, Tonhöhen und Lautstärken vorzustellen, gerne mit Beispielen aus „Parsifal“, der es ihm offenbar angetan hat. Er könne sich gut vorstellen, den „Karfreitagszauber“ künftig in der Fastenzeit ins Programm zu nehmen, trotz der jedes Mal sehr aufwändigen Registrierung. Der Orgel fehlt noch eine digitale Setzeranlage auf der man die Werke dauerhaft einrichtet und speichert. Die aber kostet einen sechsstelligen Betrag, und das Hochbauamt Frankfurt, das Herr über alle Kirchen und deren Ausstattung ist, wird sich angesichts der aktuellen Kassenlage nicht so leicht dafür gewinnen lassen.
Am 25. Mai gibt es im Dom eine Orgelnacht mit Musik aus Schottland – eine weitere Gelegenheit die Frankfurter „Päpstin“ zu erleben. 

Andreas Boltz spielte für die Frankfurter Wagner-Freunde den „Karfreitagszauber“ aus „Parsifal“ in der Orgel-Transkription von Edwin H. Lemare. Foto: C. Jenisch