Magischer Jahresausklang bei Stollen & Sekt

Hollywood-Klassiker über den unsterblichen Komponisten begeistert seine Fans 

Mit einem höchst vergnüglichen Kino-Event beendete der RWV Frankfurt sein Jahresprogramm 2018. Den Mitgliedern im etwas anderen Fanclub wurde der Hollywood-Streifen „Magic Fire“ vorgeführt, ein opulentes Werk über die „Frauen um Richard Wagner“, so der deutsche Titel. Der 1954 in der Bundesrepublik unter der Regie von Wilhelm Dieterle gedrehte Streifen ist ein Schulbeispiel des unterhaltsamen Kostümfilms dieser Jahre, mit wunderschönen Frauen in eleganten Roben und luxuriösem Ambiente. Richard Wagner wurde von dem britischen Film- und Theaterschauspieler Alan Badel gespielt. Die Darstellerin der Mathilde Wesendonck, Valentina Cortese, lebt heute 95jährig in Italien. Von den weiteren Schauspielern dürften noch Carlos Thompson in Erinnerung sein, der die Rolle des Franz Liszt übernommen hatte, und Charles Regnier als Giacomo Meyerbeer. Für die Choreographie des Tannhäuser-Balletts hatte man die großartige Tatjana Gsovsky gewonnen.

Historische Detailversessenheit wurde gelegentlich der künstlerischen Freiheit untergeordnet. Das störte aber nicht weiter. Für die zerbombte Dresdner Semperoper etwa wurde das Markgräfliche Opernhaus in Bayreuth als Aufführungsort gezeigt, der Dresdner Maiaufstand fand seinen Drehort in Würzburg. Die Passagen in der Villa Wesendonck konnten dagegen am Originalschauplatz gedreht werden. Wahrlich hitverdächtig ist die herausragende musikalische Um- und Besetzung der Opernausschnitte: das Orchester der Bayerischen Staatsoper unter der Leitung von Alois Melichar begleitete Leoni Rysanek als Brünnhilde, Senta und Sieglinde. Otto Edelmann war als Holländer zu hören und Hans Hopf als Tannhäuser, Lohengrin und Stolzing. Die musikalische Bearbeitung hatte der Komponist Erich Wolfgang Korngold übernommen, der auch selbst im Film zu sehen ist: in der Rolle des Dirigenten Hans Richter. Wer sich den Film privat ansehen möchte: Unter dem neuen Titel „Wagner – Die Richard-Wagner-Story“ ist er in der DVD-Reihe Filmjuwelen im Handel.

Einer guten Tradition folgend gab es für die 60 anwesenden Mitglieder natürlich wieder Dresdner Stollen und Sekt aus dem Hause Henkell. Den Empfang nutzten die Anwesenden für viele gute Gespräche und für das Pläneschmieden 2019.

Jüdisches Leben in Frankfurt

Große Delegation des RWV Frankfurt zu Gast in der Westend-Synagoge

Im Frankfurter Westend steht eine der wenigen Synagogen Deutschlands, die – wenn auch stark beschädigt – die Reichspogromnacht vor 80 Jahren und den zweiten Weltkrieg überdauert haben. 40 Mitglieder des RWV Frankfurt waren dort am 7. November zu Gast, um sich über jüdisches Leben in ihrer Stadt zu informieren.

Foto: RWV Frankfurt

Die Westend-Synagoge wurde 1910 eingeweiht. Das architektonische Schmuckstück, das mit dem Monumentalbau entstand, zeugte vom Selbstbewusstsein eines liberalen jüdischen Bürgertums in Frankfurt. Die Synagoge erhielt sogar eine Orgel, obwohl das Instrument im jüdischen Gottesdienst keine Funktion hat. 30.000 Mitglieder zählte damals die jüdische Gemeinde, nach dem Holocaust waren es weniger als 300.

Schon kurz nach Kriegsende wurde im Rahmen der Wiedergutmachung mit einer zunächst schlichten und provisorischen Wiederherstellung der Synagoge begonnen. Die Glasfenster gestaltete der Vertreter des Neuen Frankfurt Hans Leistikow. Nach aufwändiger Rekonstruktion, die von 1988 bis 1994 dauerte, erhielt die Synagoge samt eindrucksvoller Kuppel die heutige Gestaltung in blau und gold – auch die assyrisch-ägyptischen Zitate erstrahlen wieder glanzvoll. Inzwischen gehören zur jüdischen Gemeinde Frankfurts mehr als 7.000 Mitglieder, mit vielen jungen Familien. Dahinter steht eine eindrucksvolle Integrationsleistung. Tausende Zuwanderer aus Russland und Osteuropa, häufig zunächst weder mit der Sprache noch mit der lateinischen oder hebräischen Schrift vertraut, mussten eingebunden werden. Dass es gelungen ist, zeigt ein reiches Gemeindeleben: es gibt jüdische Schulen, Kindergärten und Kitas, eine jüdische Volkshochschule und kulturelle Veranstaltungen sowie Einrichtungen für alle Lebensalter und -lagen.

In der Westend-Synagoge werden heute Gottesdienste aller jüdischer Glaubensrichtungen gefeiert, von zwei Rabbinern und einer Rabbinerin, wobei die große Mehrheit der konservativ-orthodoxen Strömung angehört. Frauen sitzen von den Männern getrennt im Gebetsraum, hinter Vorhängen oder auf der oberen Etage. Gemischte Chöre, wie zu Zeiten des liberalen Reformflügels vor 100 Jahren sind heute einem reinen Männerchor gewichen. Das Festhalten an Traditionen, das in vielen jüdischen Familien ganz selbstverständlich praktiziert wird, ist ein unverrückbarer Pfeiler des Glaubens. Dazu gehört auch Wohltätigkeit gegenüber der Gemeinde und ihrer Mitglieder. Der prachtvolle Kristall-Kronleuchter in der Haupthalle war ebenso eine private Spende, wie die luxuriöse Mikwe, die den Frauen für das rituelle Bad dient. Für die Frankfurter Wagner-Freunde war es eine beeindruckende und lehrreiche Begegnung in und mit der jüdischen Gemeinde.

Wagner-Netzwerk in 150 Metern Höhe

Zwei Wagner-Verbände – eine Freundschaft: München zu Gast in Frankfurt

Eben noch präsentierte der Vorsitzende des RWV München, Karl Russwurm, seinen Münchener Mitgliedern einen großen Rückblick auf 10 Jahre Opern- und Kulturreisen seines Verbandes und schon packten sie wieder die Koffer, um vom 2. bis 6. November nach Frankfurt am Main zu reisen. Auf dem Programm standen Ariadne auf Naxos (Oper Frankfurt), Die Meistersinger von Nürnberg (Staatstheater Wiesbaden) und ein Konzert mit den Berliner Philharmonikern unter der Leitung von Gustavo Dudamel (Alte Oper Frankfurt). Neben diesen Opern- und Konzerthighlights bot das Besuchsprogramm breiten Raum für Begegnungen mit den Wagner-Freunden des RWV Frankfurt.

Hier noch in der Lobby sollte es für den RWV München im Verlauf der Commerzbank-Führung hoch hinaufgehen – Foto: RWV München

Dirk Jenders ermöglichte den Gästen der bayerischen Landeshauptstadt beeindruckende Ein- und Ausblicke während einer Architektur-Führung durch das Hochhaus der Commerzbank-Zentrale. Das von Sir Norman Foster entworfene höchste Gebäude Deutschlands misst eine Höhe von 259 Metern, erstreckt sich über 58 Stockwerke und bietet Arbeitsplätze für über 2.500 Mitarbeiter. Beim Bau vor über 20 Jahren wurde bereits großer Wert auf hohe ökologische Standards gelegt. Besonders imposant sind die neun innenliegenden Themengärten. Jeder dieser Gärten verkörpert eine unterschiedliche Flora der typischen Pflanzengesellschaften. So lag es nahe, dass es nach der Führung im nach Süden gelegenen mediterranen Garten des 35. Stockwerks einen Sektempfang unter Olivenbäumen (und in Begleitung munterer Rotkehlchen) gab, den der RWV Frankfurt zu Ehren seiner Gäste ausrichtete. Beim einsetzenden goldenen Oktober-Abend ließ man also staunende Blicke über Stadt und Land schweifen. Die meisten Besucher konnten nur schwer zum komfortablen Lift-„Abstieg“ animiert werden. Aber es rief das gemeinsame Abendessen der Münchener und Frankfurter Wagner-Freunde auf dem Römerberg, der guten Stube der Mainmetropole. An allen Tischen im Wintergarten des 1453 erstmals urkundlich erwähnten Schwarzen Stern entwickelten sich sofort lebhafte und freundschaftliche Gespräche – sehr zum Vergnügen der beiden Vorsitzenden. Deren diskrete Abendregie stellte eine gemischte Tischordnung sicher und damit einen für alle bereichernden Austausch unter wagnerbegeisterten Musikfans. Man wünscht sich mehr dieser beglückenden Reise-Begegnungen der Verbände untereinander.

Gegenseitige Geschenke erhalten die Freundschaft. Hier dankt Dirk Jenders (Frankfurt) für ein Buchpräsent, überreicht von Karl Russwurm (München) – Foto: RWV München

Macht Platz für den Meister

Bäppi’s humorvoller Rundgang durch die Neue Altstadt

Frankfurt hat nicht nur den größten Flughafen Deutschlands und eine der spannendsten Skylines Europas; es hat jetzt auch die Neueste Altstadt der Welt. Sie wurde erst vor wenigen Tagen im Rahmen eines großen Festes mit 300.000 Besuchern eröffnet.

Der Hühnermarkt mit Stoltze-Denkmal in der Neuen Frankfurter Altstadt an einem prachtvollen Oktober-Samstag – Foto: RWV Frankfurt

Bei einem Spaziergang haben sich 40 Frankfurter Wagner-Freunde am vergangenen Samstag Historie und Wiedererstehung des Quartiers zwischen Dom und Römer von Thomas Bäppler-Wolf alias Bäppi La Belle erklären lassen. Dabei war seine Ähnlichkeit mit einem berühmten Leipziger Komponisten, der in Bayreuth sein Festspiel-Glück fand und 1862 in Frankfurt erstmals seinen Lohengrin selbst dirigierte, rein zufällig (oder vielleicht auch nicht). Obwohl: Richard Wagner maß keine 1,95 m und sein Gehrock war auch etliche Konfektionsnummern kleiner. Egal: Thomas Bäppler-Wolf stöberte im Fundus der Oper Frankfurt, um dem Meister für sein Zielpublikum so nah wie möglich zu kommen. Einzig auf den Bart verzichtete er wegen der sommerlichen Temperaturen im Oktober. Dafür brachte Bäppi seinen Ramses mit. Der niedliche Hund durfte für den Nachmittag Wagner’s Russ mimen – typisch Bäppi eben.

Thomas Bäppler-Wolf alias Bäppi La Belle alias „der Meister“ umgeben von seinen Fans in der Neuen Frankfurter Altstadt – Foto: RWV Frankfurt

Beim 1 3/4-stündigen Rundgang erzählte der Comedian, Stadtverordnete und profunde Kenner der Stadtgeschichte auf seine umwerfende Art Frankfurter Anekdoten, die nicht jeder kennt. Wo vorher das Technische Rathaus stand, eine „Ikone des brutalistischen Betonbaustils der 70er Jahre“, erheben sich nun drei Dutzend Gebäude. 15 davon sind (nahezu) originalgetreue Rekonstruktionen historischer Bauten, wie die Goldene Waage. Binnen weniger Tage haben die Frankfurter die Gudd Stubb mit ihren Gassen, dem heimeligen Hühnermarkt, den reich dekorierten Fachwerkbauten und schieferbedeckten Dächern ins Herz geschlossen. Alles, was die Mainmetropole einst bedeutend machte, war auf diesem – heute so beschaulich wirkenden – Areal angesiedelt: die Geburtsstätte der Börse und die frühen Messehöfe, reiche Patrizierhäuser (in einem wohnte natürlich auch Goethe für sechs Monate) und der Krönungsweg zwischen dem Kaiserdom und dem Rathaus. Erschallte dort beim Zug der gekrönten Häupter früher der Ruf: „Macht Platz für den Kaiser!“, so hieß es jetzt für unseren Bäppi: „Macht Platz für den Meister!“

2 x Ritter auf der Buchmesse

Tectum und C.H. Beck Verlag präsentieren Frankfurter Wagner-Kontexte

Der Eröffnungsband unserer neuen Buchreihe Frankfurter Wagner-Kontexte (FWK) über den Komponisten Alexander Ritter wird gleich zweimal auf der Frankfurter Buchmesse präsentiert. In Halle 4.2 (E51) ist er noch bis 14.10. beim C.H. Beck Verlag aus München zu finden und in Halle 3.1 (G91) beim Tectum Verlag aus Baden-Baden.

FWK-Projektleiter und RWV-Vorstandsmitglied Dr. Sven Hartung besuchte heute Tamara Kuhn am Messestand des Tectum Verlages und beide freuten sich über den überaus gelungenen Start der Reihe, deren Herausgeber der RWV Frankfurt ist.

Am Frankfurter Buchmesse-Stand des Tectum Verlages: Tamara Kuhn (Lektorat und Herstellung) und Dr. Sven Hartung (RWV Frankfurt) – Foto: RWV Frankfurt

Seit Erscheinen der Ritter-Biografie des Autors Michael Hofmeister wurden diverse positive Besprechungen veröffentlicht, u.a. auf WDR 3. Michael Schwalb empfahl in der Sendung „Tonart“ vom 27.09.: Wer an den Verbindungen und Verwicklungen des deutschen Musiklebens im 19. Jahrhundert interessiert ist, kann Michael Hofmeisters großes Buch verschlingen wie einen biographischen Roman. Und Dieter David Scholz bescheinigte dem faszinierenden Kapitel deutscher Musikhistorie im Magazin „das Orchester“ (Schott Music) den Rang eines Standardwerks, das eine Lücke in der Musikgeschichtsschreibung geschlossen hat. Chapeau!

Frankfurter Wagner-Kontexte Band 1
Richard-Wagner-Verband Frankfurt am Main
Michael Hofmeister: Alexander Ritter
Leben und Werk eines Komponisten zwischen Wagner und Strauss
Tectum Verlag – 822 Seiten – 17 x 24 cm – Hardcover
59 € (46,99 € als ePDF/ePub)
Weitere Infos finden Sie hier

Wagners „große lange Dinger“

Parsifal wird zum Erweckungserlebnis unserer Bayreuth-Stipendiaten

Vor dem Königsportal des Bayreuther Festspielhauses am 07.08.2018:
(v.l.n.r. oben) Iain MacNeil, Jule Heidmann, Lianyi Zhang, Robin Wächtershäuser
(v.l.n.r. vorne) Dalila Denic, Julie Sekinger, Rose Wießler (stv. Vorsitzende), Anna Stepanova, Charlotte Glöckner, Agnes Peregi

Bis zu seiner Bayreuth-Reise wusste Robin Wächtershäuser über Richard Wagner vor allem, dass dieser „große lange Dinger“ geschrieben hat. Bereits bei der ersten Vorstellung im Festspielhaus hat es ihn dann gepackt: Den jungen Komponisten überlief schon beim Lohengrin-Vorspiel eine Gänsehaut, wie er freimütig eingestand. Im Holländer entdeckte er ideale Vorlagen für Filmmusik, und er war gefesselt von der „total spannenden Harmonik“ im Parsifal.

Es sind jedes Mal anregende Abende mit neuen Blickwinkeln auf Wagners Werk und die Festspiele, wenn unsere Bayreuth-Stipendiaten mit ansteckender Begeisterung von ihrem Aufenthalt dort erzählen. Drei von ihnen konnten beim Jour Fixe in Badia’s Schirn Café nicht dabei sein: Dalila Denic und Iain MacNeil steckten in wichtigen Opernproben und Jule Heidmann produziert gerade mit ihrer Duo-Partnerin (ROMIE) eine CD in Irland.

Unvergesslich bleiben die Festspieltage für Charlotte Glöckner, Pianistin und ebenfalls angehende Komponistin: „Das Erlebnis Bayreuth hat mich vollkommen verändert, nicht nur musikalisch, sondern auch menschlich“ berichtete sie. Sie sei ohne besondere Wagner-Affinität angereist und Parsifal habe sie zum Wagner-Fan werden lassen. Als exemplarisch für ihr persönliches Erweckungserlebnis darf wohl auch das As-Dur in „Erlösung dem Erlöser“ gelten.

Agnes Peregi als dritte in unserer diesjährigen Komponistenriege hat dort entdeckt, dass der heutige Nachwuchs von dieser „alten“ Musik viel lernen kann. Positiv empfand sie bei den Aufführungen im Festspielhaus übrigens das Fehlen von Übertiteln, das von einigen beklagt wird: so könne man die Oper ohne Ablenkung genießen.

Lianyi Zhang freute sich, als Pianist ein Stipendium erhalten zu haben – wodurch er sich Wagners Schwiegervater Liszt noch mehr verbunden fühlt. Seine erste Annäherung an Richard Wagner hatte über einen Besuch in Neuschwanstein stattgefunden, dessen Bau aus der Begeisterung Ludwig II. für den Lohengrin hervorging. Diese Oper nun erstmals und gleich in Wagners Festspielhaus zu hören, wo durch den abgedeckten Orchestergraben die Musik „von überall her“ kommt, war für Zhang ein ganz besonderes Erlebnis.

Auch Julie Sekinger war von der hinreißenden Akustik und der Ausgewogenheit des Klangs im Festspielhaus begeistert; dank dieser Akustik, so befand die angehende Sopranistin, müssten die Sänger wohl auch kein „Wahnsinnsorgan“ haben, um über das Orchester zu kommen. Sie hatte sich zudem für das Internationale Stipendiatenkonzert der Richard Wagner-Stipendienstiftung qualifiziert und genoss es, mit Profis wie Günther Groissböck aufzutreten.

Die Pianistin Anna Stepanova war schon in ihrer Heimat Moskau eine begeisterte Anhängerin Richard Wagners. Für sie wurde die Reise zu den Festspielen die Erfüllung eines langjährigen Traums. Auch sie hat der Parsifal besonders bewegt: „Eine unglaubliche archaische Kraft, die mich voll und ganz erschüttert hat.“ In Bayreuth ist für Anna Stepanova die Vergangenheit noch sehr präsent: „Nach 142 Jahren kann man dort die Spuren des Meisters erleben und sehen, was aus seiner Genialität, aber auch seiner Disziplin und Arbeitsfreude entstanden ist.“

Die neun Stipendiaten reisten auf Einladung des RWV Frankfurt vom 5. bis 10. August 2018 zu den Bayreuther Festspielen und erlebten dort Lohengrin, Der fliegende Holländer und Parsifal.

Wir wollen keine Gralshüter sein

RWV Frankfurt im Portrait der Zeitungen der VRM-Verlagsgruppe 

Am 25. Juli, dem Tag der Eröffnung der diesjährigen Bayreuther Festspiele, erschien in den Zeitungen der VRM-Verlagsgruppe eine Festspiel-Seite, in deren Mittelpunkt ein Portrait des RWV Frankfurt, dem „etwas anderen Fanclub“, stand.

Kultur-Redakteur Volker Milch interessierte sich in seinem Recherche-Gespräch mit Dirk Jenders insbesondere für das Phänomen des „Wagnerianers“. Und wer den Vorsitzenden des RWV Frankfurt kennt, weiß, dass er die gepflegten Klischees über „den Wagnerianer“ und über Bayreuth nicht so stehenlassen konnte.
Doch lesen Sie selbst.

Den Print- und Online-Artikel finden Sie zudem in unserem Medienspiegel.

Die VRM-Verlagsgruppe mit Sitz in Mainz bringt die Allgemeine Zeitung in Mainz – Bad Kreuznach – Alzey – Bingen, den Wiesbadener Kurier und das Wiesbadener Tagblatt, das Darmstädter Echo, den Gießener Anzeiger, die Wormser Zeitung, Bürstädter Zeitung, Lampertheimer Zeitung und die Main-Spitze Rüsselsheim heraus. Nach eigenen Angaben erreicht die VRM (und damit unser RWV-Portrait) rund 1 Mio. Leser im Rhein-Main-Gebiet.

Frankfurter Wagner-Kontexte – Band 1

RWV Frankfurt vergibt erstmals Publikationsstipendium und eröffnet musikwissenschaftliche Schriftenreihe

Mit der Eröffnung der Schriftenreihe „Frankfurter Wagner-Kontexte“ erweitert der Richard-Wagner-Verband Frankfurt sein bisher auf die jährliche Förderung von 10 jungen Bühnenschaffenden fokussiertes Stipendienprogramm. Durch die zusätzliche Vergabe eines jährlichen Publikationsstipendiums wird künftig ein musikwissenschaftlicher und qualitativ hochwertiger Beitrag zur Richard-Wagner-Forschung geleistet. Das Themenspektrum wird dabei bewusst weit gefasst. Als einzige Voraussetzung haben die primär geförderten Dissertationen einen konkreten Kontext zum Komponisten Richard Wagner zu gewährleisten. Der vorliegende Eröffnungsband von Autor Michael Hofmeister über den Komponisten Alexander Ritter steht exemplarisch dafür.

Mehr über Band 1 der „Frankfurter Wagner-Kontexte“ finden Sie hier
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Glyndebourne!

Operngenuss im Bayreuth Südenglands

Der Landsitz der Familie Christie aus der Tudorzeit mit dem Glyndebourne Opera House von 1996 (Foto: C. Jenisch)

John Christie war ein Opernenthusiast. Schon in den 1920er Jahren veranstaltete er Konzerte, Liederabende und Opernminiaturen, damals noch im Orgelsaal seines Landsitzes. Dabei übernahm er nicht nur die Rolle des Gastgebers. Im Juni 1928 wirkte er auch als Beckmesser im 3. Akt der „Meistersinger“ mit. Durch seine Festspielbesuche in Salzburg und Bayreuth inspiriert, verwirklichte er sich 1934 einen Traum und gründete sein „privates Bayreuth“, also Opernfestspiele samt 311-Plätze-Opernhaus, das er sich neben seinem Landhaus errichten ließ. Eröffnet wurde das Glyndebourne Festival zwar nicht mit Wagner, aber es etablierte sich mit der „Hochzeit des Figaro“ eine bis heute gepflegte Mozart-Tradition. Mit Fritz Busch, Carl Ebert und Rudolf Bing standen ihm gleich zu Beginn drei Opernexperten zur Verfügung, die für Qualität bürgten.

Im Garten von Glyndebourne (Foto: C. Jenisch)

In dritter Generation von Gus Christie geführt, steht Glyndebourne auch heute für Oper auf höchstem internationalen Niveau. Davon konnten sich vom 13. bis 18. Juni die 24 mitgereisten Mitglieder des RWV Frankfurt überzeugen. Dank der hervorragenden Organisation durch Petra Kummrow (Carus Travel) erlebten sie Tage voller kultur-historischer, gartenbauarchitektonischer sowie eben musikalischer Höhepunkte und exklusiver Einblicke.

Die Zusammenfassung der faszinierenden Reise finden Sie hier

Concerto furioso in der HfMDK

Wenn sich die Stipendiaten des RWV Frankfurt vor ihrer Reise zu den Bayreuther Festspielen mit einem Konzert vorstellen, wird das immer ein Programm voller Überraschungen. Die zehn Nachwuchstalente – Frankfurt entsendet von allen weltweiten Wagner-Verbänden nach wie vor die meisten Bayreuth-Stipendiaten – werden von der Oper Frankfurt, von Dr. Hoch’s Konservatorium sowie der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst (HfMDK) benannt. In der HfMDK fand vergangenen Montag erstmals auch unser Stipendiatenkonzert statt, künftig im jährlichen Wechsel mit dem bisherigen Austragungsort Dr. Hoch’s. Präsident Christopher Brandt freute sich in seiner Begrüßung über das Zusammentreffen wichtiger Institutionen bei diesem Ereignis und ganz besonders auf die Auseinandersetzung mit den Werken junger Komponisten, von denen in diesem Jahr gleich drei vertreten sind, allesamt Studierende von Claus Kühnl am Dr. Hoch‘s.

Finale beim Stipendiatenkonzert am 4. Juni 2018 in der HfMDK Frankfurt: Michal Golawski, Iain MacNeil, Dalila Denic, Anna Stepanova, Julie Sekinger, Lianyi Zhang, Charlotte Glöckner, Jule Heidmann, Agnes Peregi und Robin Wächtershäuser (v.l.n.r.) – Foto: RWV Frankfurt

Einen furiosen Einstieg am Klavier gestaltete Michal Golawski vom Opernstudio mit Liszts Schubert-Bearbeitung „Aufenthalt“ und mit Arcadi Volodos frech-fröhlicher Version von Mozarts „Türkischem Marsch“. Die Publikums-Betriebstemperatur stieg dank seiner sofort von 0 auf 100. Ein Töne-Happening war das daran anschließende Stück für vier Lautsprecher von Agnes Peregi. Ihre „Reise ins Ungewisse“ hatte die junge Komponistin aus Geräuschen fahrender Zügen montiert, aus an- und abschwellendem Zischen, Raunen, Dröhnen, Klirren, Rumpeln, Brummen und Klopfen. Auch die beiden Klavierquartette von Robin Wächtershäuser, als Konzertmitschnitte eingespielt, verlangten dem Zuhörer mit ihren brüchigen, instabilen Elementen und ungewöhnlichen Tonfolgen und Geräuschen die volle Aufmerksamkeit ab. Charlotte Glöckner, die Dritte im Bunde der Komponisten, hat ebenfalls Lust auf Experimente. Für ihre „Traumreiche Nacht“ präparierte die ehemalige Oboistin die Saiten des Flügels mit ihren ausgemusterten Oboenblättern, einem Schlüsselbund sowie gefaltetem Papier und fand damit eine effektvolle Klangsprache.
Der Pianist Lianyi Zhang gewann mit dem souverän und einfühlsam vorgetragenen 1. Satz aus Brahms’ Klaviersonate Nr. 1 die Bewunderung des – trotz der tropischen Temperaturen – erfreulich zahlreich erschienenen Publikums. Der Bariton Iain MacNeil aus dem Opernstudio präsentierte sich kraftvoll mit Roberts Arie aus „Iolanta“ und „Bella siccome un angelo“ aus „Don Pasquale“. Dalila Denic mit ihrer Mezzosopran-/Altstimme gab mit „Weiche Wotan, weiche!“ schon jetzt ein ehrgeiziges Ziel und viel schauspielerische Ausdruckskraft zu erkennen. Als junger Wotan assistierte ihr Florian Conze. Die Sopranistin Julie Sekinger stellte sich mit der Arie der Lucia und dem Brahms-Lied „Wir wandelten“ vor. Wunderschön dann die Duette der beiden jungen Sängerinnen mit Schumanns „Abendstern“ und Brahms’ „Die Meere“. Und noch einmal stand Wagner auf dem Programm: Anna Stepanova spielte Liszts Klavierbearbeitung von „Isoldens Liebestod“. Sensibler und auch körpersprachlich berührender kann dieses Stück kaum vorgetragen werden. Mit dem letzten Programmpunkt ging es wieder zurück ins hier & jetzt. Die Lehramtsstudierende Jule Heidemann gestaltete mit dem Arlen/Previn-Song „So long Big Time“ den Übergang zur feierlichen Überreichung der Stipendienurkunden. Zusammen mit Paula Stenger, mit der sie das Singer-/Songwriter-Duo „ROMIE“ bildet, ließ sie den Abend mit ihrem neuen Song „Maria“ ausklingen.
Vom 5. bis 10. August werden die zehn jungen Talente den neuen „Lohengrin“ sowie die Wiederaufnahmen „Der fliegende Holländer“ und „Parsifal“ auf dem Grünen Hügel Bayreuths erleben.