W = wahnsinnig gut

Wie Frankfurter Stipendiaten Wagner neu buchstabieren

Im „Bayreuth-Talk“: Timofej Stordeur, Theresa Bub und David Högermeyer (v.l.n.r. – Foto: RWV Frankfurt)

Im ersten Mitglieder-Jour Fixe nach den Bayreuther Festspielen berichten unsere Stipendiaten traditionsgemäß von ihrem Aufenthalt auf dem Grünen Hügel. Der Jahrgang 2017 wählte ganz unterschiedliche Formate, um das Erlebte zu vermitteln. Der Bogen spannte sich von einem lockeren Plauderton im Talkshow-Format über einen Impulsvortrag „Bayreuths starke Frauen“ bis hin zu einem temperament-vollen argentinischen Blick auf Bayreuth und einem neuen W-A-G-N-E-R – ABC, das die persönlichen Highlights zusammenfasste.

Leonie Domesle buchstabiert W-A-G-N-E-R neu (Foto: RWV Frankfurt)

Auch die drei Stipendiaten, die wegen einer Probe, eines Stipendiums (Sprachkurs in Italien) bzw. eines Vorstellungsgesprächs beim Intendanten der Oper Gent verhindert waren, ließen die Mitglieder via E-Mail an ihrer Rückschau teilhaben.

Bayreuth-Bericht mit argentinischem Temperament: Andres Hancke und Florencia Araujo (Foto: RWV Frankfurt)

Einen ausführlichen Bericht über den Abend mit unseren Stipendiaten können Sie in Kürze hier lesen.

Anastasia Watterston erinnert an „starke Bayreuther Frauen“: Cosima und Winifred (Foto: RWV Frankfurt)

Zum Raum wird hier das Werk

Fünf energiegeladene Bayreuther Festspieltage

Mensch und Natur haben alles aufgeboten, um den 250 aus aller Welt angereisten Stipendiaten (und natürlich dem sie begleitenden Wagner-Fan) ein unvergessliches Festspielerlebnis zu bereiten. Vom 14. bis 19. August erlebten die jungen Künstler einen Musiktheater-Intensivkurs, der natürlich im Zeichen des Bayreuther Meisters stand. Los ging es mit der vollkommen zu Recht umjubelten Barrie Kosky-Neuinszenierung „Die Meistersinger von Nürnberg“. Hier traf eine perfekte, das komödiantische im Werk nicht verleugnende  Personenregie auf Sängerdarsteller von Weltklasse. Dabei vergaß Kosky bei aller Spielfreude nicht, auch die „dunkle Seite der Macht“ auf die Bühne zu bringen – freilich ohne den moralischen Zeigefinger überzustrapazieren. Dies wurde gerade im 2. Akt während der „Prügelfuge“ deutlich. Fast surreal dazu die Szenen drinnen und draußen: Während das Nürnberger Volk auf der Bühne von gegenseitigen Handgreiflichkeiten absah, bewies die Natur über dem Festspielhaus, zu welcher Zerstörung sie fähig ist. Binnen Minuten ließen Gewitter und Sturm Bäume entwurzeln und die berühmte „W“-Fahne hing schlapp im Geäst über dem Restaurant.

Unsere 10 Frankfurter Stipendiaten – noch vor dem „Meistersinger“-Sturm – im Festspielpark. Stehend (v.l.n.r.): Florencia Araujo, Timofej Stordeur, David Högermeyer, Florian Richard, Theresa Bub, Thesele Kemane, Andres Hancke, Anastasia Watterston. Vorne: Dirk Jenders (RWV Frankfurt), Leonie Domesle, Harald Hieronymus Hein (Foto: RWV Frankfurt – zum Vergrößern ins Bild klicken)

Einen musikalischen Hochgenuss bot auch der zweite Abend „Tristan und Isolde“. Unser anschließendes Abendessen für die Stipendiaten aus Frankfurt & Leipzig stellte mit 35 Teilnehmern einen neuen Rekord auf. Neben der in Frankfurt engagierten Mezzosopranistin Tanja Ariane Baumgartner (Fricka im „Ring des Nibelungen“) nahmen der einzige Stipendiat des RWV Magdeburg und die ehemalige Bayreuth-Solistin Carola Guber (Mezzosopran, jetzt Musikhochschule Leipzig) als Gäste teil. Hier konnten sich die jungen Künstler in idealer Weise mit den Festspielprofis vernetzen und diese Chance nahmen sie auch wahr. Zum Abschluss der Stipendiatenwoche wurde „Die Walküre“ gegeben. An Frank Castorfs Sicht auf den Nibelungen-Stoff störte sich zumindest an diesem Abend niemand mehr, Sänger und Orchester wurden gefeiert und die Natur trug mit einem erneut heftigen Gewitterregen zum „4. Akt“ bei. Wer Glück hatte, kam gerade noch trocken ins Auto. Lob gebührt der Richard-Wagner-Stipendienstiftung. Das Team um Dr. Stefan Specht organisierte wieder ein großartiges Rahmenprogramm und so fuhren auch die 10 Frankfurter Stipendiaten mit vielen Eindrücken und neu begründeten Freundschaften nach Hause. Sie werden uns am 20. September im Mitglieder-Jour Fixe berichten.

Mit zwei Tangos nach Bayreuth

Unsere Frankfurter Stipendiaten nach ihrem Konzert am 22. Juni 2017 im Dr. Hoch’s (v.l.n.r.): Florian Richard, Florencia Araujo, Andres Hancke, Timofej Stordeur, Anastasia Watterston, David Högermeyer, Harald H. Hein, Theresa Bub, Leonie Domesle (zum Vergrößern bitte ins Bild klicken). Foto: RWV Frankfurt

Mit einem facettenreichen Konzertprogramm vom Barock (Telemann) bis zum Asien-inspirierten Zeitgenössischen (Offermans) präsentierten sich gestern unsere  diesjährigen Bayreuth-Stipendiaten im Dr. Hoch’s Konservatorium. Die 10 jungen Talente kommen aus Deutschland, Südafrika, England und Argentinien, weshalb auch zwei Piazzolla-Tangos im Programm nicht fehlen durften. Sie passten hervorragend zu diesem tropenheißen und überaus niveauvollen Musikabend.

Einen ausführlichen Konzertbericht finden Sie hier.

Neues schaffen – ganz im Sinne Wagners

RWV Frankfurt errichtet Publikationsstipendium

Mit einem Publikationsstipendium wird der RWV Frankfurt künftig musikwissenschaftliche Arbeiten fördern, die sich mit Richard Wagner und seinem Werk direkt oder innerhalb eines konkreten Kontextes auseinandersetzen. Das hat die Mitgliederversammlung am 10. Mai beschlossen. Durch die Übernahme der Druckkosten soll eine möglichst jährlich erscheinende Schriftenreihe des Verbandes begründet werden. Die Schriftenreihe wird nicht nur einen Beitrag zur Wagner-Forschung leisten; sie dürfte auch den Bekanntheitsgrad und die Reputation des RWV Frankfurt steigern, wie der Vorsitzende Dirk Jenders darlegte. Mit dem renommierten Schott Campus-Verlag in Mainz wurde ein idealer Partner gefunden; die Finanzierung wird primär durch zusätzliche Spenden der Mitglieder erfolgen. Die jährlichen Bayreuth-Stipendien des etwas anderen Fanclubs bleiben unverändert bestehen. Beiträge zur Schriftenreihe können von Autoren aus dem Rhein-Main-Gebiet, also primär der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst (HfMDK) und der Goethe-Universität in Frankfurt eingebracht werden. Bei der Vergabe der Stipendien wird der Vorstand auf die Expertise der betreuenden Professoren zurückgreifen. Erster Empfänger des Stipendiums ist der Bassist, Regisseur und Autor Selcuk Cara. Er promoviert bei Prof. Peter Ackermann (HfMDK) zum Thema „Verfall der Familienstrukturen als dramaturgisches Mittel in Wagners Ring des Nibelungen“. Cara verfasste bereits seine Diplomarbeit über „Tristan und Isolde“.

Der erste Doktorand für das neue Frankfurter RWV-Publikationsstipendium: Bass, Spiegel-Bestseller-Autor (Türke, aber trotzdem intelligent), Regisseur und Autoren-Filmer Selcuk Cara (Foto: R. Bernet)

Das Stipendium geht auf einen Vorschlag von Dr. Sven Hartung zurück, der auf dieser Mitgliederversammlung zum beratenden Vorstandsmitglied gewählt wurde. Hartung ist Wirtschaftsanwalt und war seit 2015 als Rechnungsprüfer für den RWV tätig. Er folgt auf Bärbel Franz, die ihr Mandat nach zwölf Jahren in dieser Funktion niederlegte, um einen sukzessiven Generationswechsel im Vorstand zu ermöglichen. Dirk Jenders dankte Bärbel Franz für ihr großartiges Engagement, das weit über die Zeit ihrer Vorstandstätigkeit hinausreicht, und zollte hohe Anerkennung für ihre Rolle als geschätzte Repräsentantin des RWV Frankfurt auf nationalem wie internationalem Parkett. Zur neuen Rechnungsprüferin wurde Heike Lüters gewählt, viele Jahre Schatzmeisterin im Verein der Freunde des hr-Sinfonieorchesters.

Insgesamt konnte Dirk Jenders eine erfreuliche Bilanz des vergangenen Jahres ziehen. Die Mitgliederzahl wuchs im 8. Jahr in Folge und die Zahl der Bayreuth-Stipendien konnte auf zehn erhöht werden, womit der RWV Frankfurt als der weltweit förderstärkste Wagner-Verband gilt.

Kein Licht (mehr) am Ende des Tunnels

Abschied vom Götz Friedrich-„Ring“ nach 33 Jahren

„Weise der Brücke den Weg“: Der legendäre Tunnel im „Rheingold“-Finale (Foto: B. Lammer)

Seit 1984 stand der legendäre „Tunnel“-Ring auf dem Programm der Deutschen Oper Berlin. 400.000 Besucher erlebten seitdem das eindrucksvolle Gesamtkunstwerk aus Bühnenbild und Personenregie. Generationen der weltweit besten Wagner-Sänger und Dirigenten wirkten in den über 50 Aufführungen mit.

Glückliches Wälsungen-Paar nach dem 1. Akt „Walküre“: Stuart Skelton und Eva-Maria Westbroek (Foto: B. Lammer)

An Ostern ereignete sich dieser Publikumsliebling unter den „Ring-Zyklen“ zum letzten Mal vor (dem seit zwei Jahren!) ausverkauften Haus.

Chor und Ensemble nach dem 2. Akt „Götterdämmerung“ (Foto: C. Jenisch – zum Vergrößern ins Bild klicken)

Einen ausführlichen Bericht über unsere Gruppenreise nach Berlin finden Sie hier.

Standing Ovations für Albert Pesendorfer (Hagen), Evelyn Herlitzius (Brünnhilde), Peter Sykora (Bühne und Kostüme), Ricarda Merbeth (Gutrune), Stefan Vinke (Siegfried) und Seth Carico (Gunther) nach der „Götterdämmerung“ (Foto: C. Jenisch – zum Vergrößern ins Bild klicken)

Der tatsächlich letzte Vorhang für den legendären Berliner Tunnel-Ring am 17. April 2017 in der Deutschen Oper (Foto: C. Jenisch)

Houston, wir haben ein Problem

Wahnfried im Badischen Staatstheater Karlsruhe

Der Wagnerdämon reitet auf dem Drachen (Foto: Staatstheater Karlsruhe)

22 Mitglieder unseres Verbandes besuchten am 19. März Avner Dorman’s neue Oper „Wahnfried“ in Karlsruhe. Erzählt wird die Geschichte des Wagner-Clans, der nach dem Tod des Meisters von Bayreuth aus bestimmte, was als Wagners Erbe zu gelten hatte. Das Libretto stammt von Lutz Hübner und Sarah Nemitz. Das ausverkaufte (!) große Haus wurde Zeuge eines grotesken und provokanten Kampfes hinter den Mauern von Wahnfried um die Deutungshoheit über Wagners Werk und Leben. GMD Justin Brown leitete die fantastisch sichere, groß besetzte Badische Staatskapelle durch die vielseitige, von Stil- und Rhythmuswechseln nur so strotzende Partitur, dass es eine Freude war. Von den 12 Gesangspartien seien Countertenor Eric Jurenas (Siegfried Wagner), Matthias Wohlbrecht (Housten Stewart Chamberlain), Renatus Meszar (Levi) und Christina Niessen (Cosima Wagner) besonders erwähnt. In ihrer Reihe „Politische Oper“ hat das Staatstheater Karlsruhe mit dieser üppig ausgestatteten Produktion wahrliche eine Meisterleistung vollbracht. Glückwunsch!

Adorno und Berg

Alfred Stenger über eine ganz besondere Beziehung

Drei Monografien über herausragende Musikerpersönlichkeiten hat Theodor W. Adorno verfasst: über Richard Wagner, Gustav Mahler und über Alban Berg. Ein Abend Adorno und Berg als Veranstaltung des RWV Frankfurt im wiederum gut besetzten Vortragssaal des Hoch’schen Konservatoriums bildete den Abschluss der Vortragstrilogie, die Prof. Alfred Stenger über den Frankfurter Gelehrten präsentierte.

Berg war 1925 in Wien Kompositionslehrer von Adorno gewesen; anders als zu Wagner und Mahler bestand also eine persönliche Beziehung. Die Sympathie zwischen Lehrer und Schüler entwickelte sich mit den Jahren zu einer tiefen Freundschaft. Adornos Monographie über Berg gliedert sich dementsprechend in einen musikanalytischen Teil und persönliche Erinnerungen.

Über 44 Jahre hinweg schrieb Adorno insgesamt acht kürzere Texte über Berg. Immer wieder betonte er darin dessen Nähe zu Mahler als eine „enthusiastische und vorbehaltlose Beziehung“. Das Fließen Bergscher Musik – „geometrisch-klar wie eine Architekturzeichnung“ – erinnerte Adorno aber auch an die Malerei von Cezanne. Eine besondere Vorliebe Adornos gehörte der Teich-Szene in Wozzeck mit ihren spiralartigen Figuren und Tonleitern. Zahlreiche Musikeinspielungen illustrierten die Ausführungen Alfred Strengers.

Die Lyrische Suite von Berg bezeichnete Adorno als latente Oper – mit Reminiszenzen an Haydns Abschiedssinfonie: „Ein Instrument schweigt nach dem andern. Die Bratsche ist allein übrig. … Sie muss spielen für immer; nur wir sind es, die sie nicht mehr vernehmen.“ Bergs Violinkonzert, sein vielleicht populärstes Stück, „ein Werk planvoller Deutlichkeit, die sich mit expressiv-programmatischem Charakter verbindet“, empfand Adorno als konservative Rückwendung Bergs. Und er scheut sich nicht, konkrete Ratschläge für dessen Ausführung zu geben: „Ehe die Interpreten sich an das Ganze begeben, tun sie gut daran, alle Einzelheiten wie durchs Mikroskop zu betrachten.“

Den zweiten Teil der Berg-Monografie, die „Erinnerungen“, legte Alfred Strenger seinen Zuhörern besonders an Herz. Seine große Bewunderung für Alban Berg und die Dankbarkeit Adornos prägen diese Kapitel. Von Adorno stammt auch der Rat: „Wer ernsthaft Zugang sucht zu Bergs Musik, wird gut tun, mit den elf Seiten der Klaviersonate sich eingehend zu befassen.“ Die Klaviersonate Opus 1 ist Bergs „Gesellenstück“. Für die Teilnehmer des Abends wurde sie einfühlsam interpretiert von Prof. Eike Wernhard von der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst.

Der Frankfurter RWV-Vorsitzende, Dirk Jenders, bedankte sich beim Referenten des erfolgreichen Vortragszyklus unter dem großen Applaus des Publikums mit einer „Stenger und Adorno“-Collage.

Zum Nachlesen finden Sie die drei Vorträge der Adorno-Reihe (Wagner – Mahler – Berg) hier

Heldentenor statt Rundfunkchor

Stefan Vinke zu Gast beim Jour Fixe

Stefan Vinke (rechts) im Gespräch mit Dirk Jenders (Foto: H. Schmid)

Heldentenor zu werden war nicht der Herzenswunsch des jungen Stefan Vinke. Über Akkordeon, Klavier und Kontrabass war er zur Orgel gekommen, machte das A-Examen als Kirchenmusiker und wollte dem Metier eigentlich treu bleiben. Weil es am Kirchenmusikinstitut an Frauenstimmen fehlte, sang der Tenor Vinke oft die Altpartien; dabei wurde sein überragendes Stimmtalent entdeckt und weiter entwickelt, wenn auch zunächst nicht in Richtung Oper.

Erst mit 26 Jahren besuchte Vinke erstmals eine Opernaufführung, den „Fliegenden Holländer“; bei einer Fernsehübertragung der „Walküre“ sei er damals eingeschlafen, bekannte er freimütig im Gespräch mit Dirk Jenders. Mit 28 Jahren startete er in Karlsruhe seine Opernkarriere (mit dem Ersten Strolch in Orffs „Die Kluge“); recht glücklich wurde er im Badischen nicht. Er versuchte, in einem Rundfunkchor unterzukommen, aber dort fand man seine Stimme zu speziell. Es folgte ein Engagement in Mönchengladbach, und Vinke wurde Stipendiat des RWV Bochum. In diese Zeit fällt auch sein Gesangsstudium bei Edda Moser. Sie erkannte schon in der erste Stunde sein enormes Potential, drückte ihm die Partitur zu „Ein Schwert verhieß mir der Vater“ in die Hand und versicherte ihm: „Das werden Sie eines Tages singen.“ Kurze Zeit später gab Vinke in Mannheim sein Debut mit vier Wagneropern in einer Saison. 2000 wurde er von der „Opernwelt“ zum Nachwuchssänger des Jahres gekürt, von da an erfolgte stetig und mit zum Teil abenteuerlichen Arabesken der Aufstieg zum Weltstar.

Wann sieht Stefan Vinke rot in Sachen Regie? „Ich lehne keinen Regisseur ab, weil ich denen was zu sagen habe. Allerdings gibt es Regisseure, die ablehnen, mit mir zu arbeiten.“ Einmal, in Melbourne, packte er die Koffer, als der Regisseur darauf bestand, in der „Götterdämmerung“ den toten Siegfried im Adamskostüm auftreten zu lassen. Für die Intendanz keine Frage: der Regisseur musste nachgeben.

Und welchen Rat würde der arrivierte Heldentenor jungen Menschen geben, die eine Sängerkarriere ins Auge fassen? „Überlegt Euch gut, ob ihr das wirklich wollt,“ meint Vinke. Bei Brutto-Einstiegsgehältern von unter 1.700 Euro steht eine lange Durststrecke bevor. „Und fragt genau nach, worauf ihr Euch an einem Haus einlasst.“ Er weiß, wovon er spricht. Sein erstes Engagement bestand aus 111 Abenden in einer Saison – mit Kleinstrollen. Heute ist er „Siegfried“ in Berlin, Wien, Bayreuth, München, New York …

Ei! Wie schmeckt der Coffee süße

Wagnerianer auf Kaffeefahrt

Flaumiger Streuselkuchen und duftende Kaffee-Spezialitäten erwarteten die Frankfurter Wagner-Freunde, die am 25. Januar trotz eisiger Temperaturen den Weg in die traditionsreiche Kaffeerösterei Wacker gefunden hatten. In den über 100 Jahren seines Bestehens ist das von einer jungen Schwäbin gegründete Geschäft in Frankfurt Kult geworden; bis heute wird es als Familienunternehmen geführt, inzwischen mit über 80 Beschäftigten.

Die Zeit verging wie im Flug, während Mitarbeiter Lukas Gerner über den Anbau von Kaffee, seine Verarbeitung und die Herkunftsländer informierte. Darüber, dass Vietnam nach Brasilien das zweitwichtigste Erzeugerland für Kaffee ist, seitdem dort der Anbau zur Versorgung der sozialistischen Bruderländer massiv gefördert worden war. Dass die milden, würzigen Arabica-Sorten Höhenluft brauchen, die herberen Robusta-Sorten für Espresso dagegen auch im Tiefland gedeihen. Und dass bei den Kaffeebauern im Durchschnitt nur sieben Prozent unseres Ladenpreises ankommen, unser Finanzminister dagegen bei jedem Pfund Bohnen mit mehr als einem Euro Kaffeesteuer dabei ist.

Die zartgrünen fermentierten und getrockneten Rohbohnen treten auch heute noch in Jutesäcken die Reise übers Meer an. Sie schmecken nach nichts; erst mit dem Rösten entwickelt sich das Kaffeearoma. Lukas Gerner zelebrierte das an der großen Rösttrommel des Hauses. Die hohe Kunst besteht darin, den Röstprozess zum richtigen Zeitpunkt zu beenden; und darin, die einzelnen Sorten und Herkünfte so zu komponieren, dass jeder das Passende für seinen Geschmack findet. Drei Dutzend Mischungen umfasst Wacker’s-Sortiment. 

Nein, keine "Tannhäuser"-Bühnenkunst - vielmehr: Der Kaffee ist fertig! (Foto: RWV Frankfurt)

Nein, keine „Tannhäuser“-Bühnenkunst – vielmehr: Der Kaffee ist fertig! (Foto: RWV Frankfurt)

Lukas Gerner hatte zudem einen kleinen Trost für Kaffeetrinker parat, die um ihren Nachtschlaf bangen oder ihr Herz schonen wollen: Kaffee schmeckt auch ohne Coffein; diese Substanz stimuliert zwar, spielt aber überhaupt keine Rolle fürs Aroma.

Und der von Richard Wagner verehrte Johann Sebastian Bach hatte es auch schon immer gewusst und in seiner Kaffee-Kantate (BWV 211) verewigt: Ei! Wie schmeckt der Coffee süße, Lieblicher als tausend Küsse, Milder als Muskatenwein. Coffee, Coffee muss ich haben, Und wenn jemand mich will laben, Ach, so schenkt mir Coffee ein!

Wenn (Wagner-)Träume wahr werden

Frankfurter Stipendiaten 2017 freuen sich auf Bayreuth

Vom 14. bis 19. August entsendet der etwas andere Fanclub der Frankfurter Wagner-Freunde erneut 10 angehende Bühnenschaffende als seine diesjährigen Stipendiaten auf den Grünen Hügel. Damit ist der RWV Frankfurt im Kreise der weltweit 130 Wagner-Verbände erneut förderstärkster Partner der Richard-Wagner-Stipendienstiftung in Bayreuth.

Die jungen Talente vom Dr. Hoch’s Konservatorium, der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst (HfMDK) sowie der Oper Frankfurt (Opernstudio und Paul-Hindemith-Orchesterakademie) repräsentieren diese Fachrichtungen: Sopran, Bariton, Bassbariton, Cello, Klavier, Querflöte, Trompete, Violine, Chorleitung und Theater-/Orchestermanagement. Die vier Damen und sechs Herren kommen aus Deutschland (6), Argentinien (2), England und Südafrika.

In Bayreuth werden sie u.a. die Festspielaufführungen Die Meistersinger von Nürnberg, Tristan und Isolde sowie Die Walküre besuchen. Zudem wird ihnen dort ein umfangreiches Rahmenprogramm sowie die Möglichkeit geboten, sich mit den anderen 240 internationalen Stipendiaten zu vernetzen, die die weltweit aktiven Wagner-Verbände zeitgleich in die Festspielstadt entsenden. Aber auch in den Monaten vor bzw. nach Bayreuth begleitet der RWV Frankfurt seine Stipendiaten auf ihrem Weg in die Professionalisierung hier vor Ort. Am Donnerstag, 22. Juni, (19:30 Uhr im Dr. Hoch’s Konservatorium) stellen sie sich alle im Konzert vor und erhalten dann auch die heißbegehrten Stipendienurkunden.