Alles außer Kunst

Januar-Jour Fixe mit Holger von Berg

Er organisiert den Betrieb, er sorgt für reibungsloses Funktionieren und die nötigen Finanzmittel, er kümmert sich um das Marketing, um den Datenschutz und das Endlosprojekt Gebäudesanierung: das und noch viele mehr sind die Aufgaben des Geschäftsführenden Direktors der Bayreuther Festspiele. Seit vier Jahren ist das Holger von Berg. Er hält den Künstlern den Rücken frei – aber was an Kunst entsteht, fällt nicht in seine Zuständigkeit.

Über seine vielfältigen Kompetenzfelder berichtete der Bayreuther Gast mit hessischen Wurzeln im Januar-Jour Fixe des RWV Frankfurt. Eine Zusammenfassung finden Sie > hier

Eine Ohrfeige muss reichen

Daniel Behle siegt als Stuttgarter Lohengrin auf ganzer Linie

Lohengrin-Wiederaufnahme am 12.1.20 in der Staatsoper Stuttgart – Foto: RWV Frankfurt

Sein Lohengrin-Debut gab der sympathische Tenor vor wenigen Wochen in Dortmund. Nun konnten sich 33 angereiste Mitglieder des RWV Frankfurt an der Staatsoper Stuttgart davon überzeugen, dass Daniel Behle als ehemaliges Frankfurter Ensemblemitglied einen idealen Schwanenritter verkörpert. Sein darstellerisches Können (wenn die Regie ihn denn lässt) geht einher mit seiner wunderbar lyrisch-kraftvollen Stimme. Die „Gralserzählung“ stand exemplarisch dafür. Regisseur Arpad Schilling zeichnete Elsas Retter als einen unsicheren, aus dem Volk heraus geworfenen jungen Mann, der seine Aufgabe im „kaukasischen Kreidekreis“ erst noch finden muss. Eine einzige Ohrfeige hatte zu genügen, um Gegenspieler Telramund zu besiegen.

Bravi a tutti – Lohengrin-Schlussvorhang in der Staatsoper Stuttgart – Foto: Christoph Jenisch

GMD Cornelius Meister ließ im Graben Sturm und Drang tosen, was nicht jedermanns Geschmack im Saal traf. Die Sänger setzten sich jedoch durch. Das lag auch an der Präsenz der beiden Damen: Simone Schneiders Elsa brillierte mit einer samtenen, prachtvollen Mittellage wie reinen Intonation in den Höhen („Einsam in trüben Tagen“!). Okka von der Damerau strahlte eine fulminante Ortrud aus, die weiß, was sie will. Ihre „Entweihten Götter“ gingen unter die Haut. Bravi auch an den Chor der Staatsoper Stuttgart. Übertitel waren zwar vorhanden, bei dieser großartigen Besetzung jedoch nicht notwendig. Jedes Wort war zu verstehen. Fazit: Der Lohengrin in Stuttgart war eine Reise wert und Daniel Behle wird mit dieser Partie noch viele Erfolge feiern.

Tiepolo bei der Arbeit – Staatsgalerie Stuttgart – Foto: RWV Frankfurt

Umrahmt wurde der Opernbesuch von einem 2 1/2-tägigen Programm, das der Vorsitzende des RWV Frankfurt, Dirk Jenders, ausgearbeitet hatte. Beim Auftakt-Dinner im stylisch-hippen „Cube“ (Kunstmuseum) wurden die Frankfurter Gäste von der Vorsitzenden des RWV Stuttgart, Katharina Lucke, begrüßt. Vor dem Opernbesuch ging es in die Staatsgalerie zur höchst informativen Privatführung durch die Sonderschau „Tiepolo – Venedigs bester Maler“. Dem Haus war es wichtig, Tiepolos Spannungsfeld zwischen Ablehnung des Gängigen und Akzeptanz der jeweiligen Auftraggeberbedingungen zu vermitteln. Spannend! Das Althoff Hotel am Schlossgarten war zudem ein Garant für besten Service und Wohlbehagen während des gesamten Aufenthaltes. An der Hotel-Bar waren die Frankfurter jedenfalls immer die letzten.

Das war 2019 im RWV FFM

Im > Jahresbericht 2019 sind unsere Aktivitäten der vergangenen 12 Monate kompakt zusammengefasst. Wir boten 20 Veranstaltungen an, die Zahl der Mitglieder stieg im 10. Jahr in Folge und unseren wichtigsten Satzungszweck, die Förderung junger Bühnenschaffender, konnten wir unter Aufbringung eines Gesamtbetrages von 15.050 Euro bestens erfüllen. So darf es 2020 gerne weitergehen. Prosit Neujahr!

Übrigens: Die Jahresberichte ab 2010 finden Sie in unserem > Archiv

Unser Programm 2020

Am 12. Dezember veröffentlichte der RWV Frankfurt sein Programm für die Monate Januar bis August 2020. Es wird wieder ein vielseitiges Repertoire geboten:

  • Bühnen-/Orchesterprobe „Tristan“
  • „Lohengrin“ in Stuttgart
  • zwei Jour Fixe mit interessanten Gästen & Themen
  • private Führung in der Alten Oper
  • „Götterdämmerung“ in Kassel
  • Stipendiatenkonzert in der HfMDK
  • Sommer-Event: Die Keltenwelt am Glauberg

Mit der Lyric Opera Chicago und dem dort präsentierten „Ring des Nibelungen“ bereisen die Frankfurter Richard-Wagner-Freunde seit 2008 erstmals ein Ziel außerhalb Europas – eine besondere Premiere im April. Und im August wird eine exklusive 6-Tage-Reise zum Edinburgh International Festival in Schottland angeboten.

Garanten der Förderung junger Bühnenschaffender und der Musikwissenschaft bleiben darüber hinaus 10 Bayreuth-Stipendien sowie die Fortsetzung der Buchreihe „Frankfurter Wagner-Kontexte“.

Zu den Terminen 2020 gelangen Sie > hier

Amore e morte a Venezia


Mitgliederreise zum Internationalen Richard Wagner-Kongress 2019

alle 12 Stunden verwandelte das acqua alta den Markusplatz in eine Seenlandschaft – Foto: Christoph Jenisch

Endlich mal wieder ein richtig gut besuchter Richard Wagner-Kongress. Dies dürfte primär daran gelegen haben, dass sich Venedig den 550 angereisten Wagner-Fans als Gastgeberin präsentierte. Und die Lagunenstadt bot mit ihrem ganz besonderen, vergänglich-schönen Charme, den man so nur im November erleben kann, alles auf, was sich ein Besucher wünscht: eine perfekte Kulisse, Konzerte und große Oper im Teatro La Fenice inklusive eines Dinners in dessen Apollinischen Sälen, Ausstellungen, Symposien und viele Gelegenheiten zum Austausch mit anderen Wagner-Freund*innen. Auch wenn die Spuren der schlimmen acqua alta-Wellen der Vorwochen nicht zu übersehen waren und der Markusplatz alle 12 Stunden geflutet wurde, konnte das umfangreiche Programm ohne Einschränkungen dargeboten werden.

Lesen Sie unseren ausführlichen Kongress-Bericht > hier

Inschrift am Palazzo Vendramin – Foto: Sven Hartung