Siegfried W. zum 150.

Stipendiat*innen 2019 bereiten RWV Frankfurt zum Doppeljubiläum ein Musikfest

Nach einem fulminanten Konzert am 4. Juni 2019 im Dr. Hoch’s Konservatorium halten unsere Stipendiat*innen endlich die begehrten Urkunden für das Bayreuth-Stipendium in ihren Händen – Foto: Christoph Jenisch

Das diesjährige Stipendiatenkonzert des RWV Frankfurt würdigte gleich zwei Jubiläen: 60 Jahre Bayreuth-Stipendienförderung des etwas anderen Fanclubs der Frankfurter Wagner-Freund*innen und der 150. Geburtstag von Siegfried Wagner.

In einem über zweistündigen Programm zündeten die jungen Talente aus dem Dr. Hoch’s Konservatorium, der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt sowie der Oper Frankfurt ein musikalisches Feuerwerk mit Werken von Bach, Humperdinck, Mendelssohn Bartholdy, Mozart, Saint-Saens, Schubert, Schumann, Strauss, Verdi, Vladigerov, Wieck-Schumann, Wolf und Richard Wagner. Ein Komponist stand im Mittelpunkt: Siegfried Wagner, dessen 150. Geburtstag die Musikwelt am 6. Juni feiert. In vier Beiträgen setzten sich die Künstler*innen im Alter von 23 bis 30 Jahren mit dem 1869 in Tribschen bei Luzern geborenen und 1930 in Bayreuth gestorbenen Komponisten auseinander. Als Zwanzigjähriger wurde der einzige Sohn Richard Wagners bei Engelbert Humperdinck in Mainz und Frankfurt ausgebildet.

Den Konzertbericht finden Sie > hier

August Wilhelmj – Der deutsche Paganini?

Neuerscheinung bei den Frankfurter Wagner-Kontexten

Am 13. Mai 2019 ist Band 2 der Frankfurter Wagner-Kontexte (FWK) erschienen. Der RWV Frankfurt setzt damit seine Buchreihe nur 10 Monate nach Herausgabe des Eröffnungsbandes mit einem fesselnden Thema fort.

Autorin Dr. Mareike Beckmann widmet ihre Dissertation dem im hessischen Usingen geborenen Violinisten August Wilhelmj (1845-1908). Er galt als einer der größten Geiger seiner Zeit. Richard Wagner ernannte ihn zum Konzertmeister der ersten Bayreuther Festspiele von 1876. Aber wie kam es dazu und welchen Einfluss hatte August Wilhelmj sowohl auf die Entwicklung des Violinspiels als auch auf den Kompositionsstil Wagners?

Diese Fragen werden in dem Buch August Wilhelmj – Der deutsche Paganini? beantwortet. Es ist ab sofort in der Print-Version für 48 € beim Tectum Verlag oder im Buchhandel verfügbar (256 Seiten / 17 x 24 cm / Hardcover) – für 37,99 € auch als E-Book.

Alle Infos zu unserer Reihe finden Sie auf dieser Homepage unter > Publikationen

Band 1 über den Komponisten Alexander Ritter (im Juli 2018 erschienen) und der hier vorgestellte neue Band 2 wurden übrigens in die Bestände der Forschungsbibliothek des Richard Wagner Museums – Haus Wahnfried in Bayreuth sowie in die Bibliothek des Deutschen Literaturarchivs Marbach (DLA) aufgenommen.

Verena Lafferentz-Wagner verstorben

Der RWV Frankfurt trauert um sein Ehrenmitglied

Verena Lafferentz-Wagner (1920 – 2019) – Foto: privat

Die letzte Enkelin von Richard und Cosima Wagner lebt nicht mehr. Nach einem erfüllten Leben starb unser Ehrenmitglied im gesegneten Alter von 98 Jahren am Nachmittag des Karfreitag (19. April) in Überlingen am Bodensee. Verena Lafferentz-Wagner, geboren 1920 in Bayreuth, war das jüngste von vier Kindern aus der Ehe von Siegfried und Winifred Wagner.

Den Nachruf des RWV Frankfurt lesen Sie > hier

Wir, die Frankfurter Richard Wagner-Freunde, haben unserer großartigen Freundin sehr viel zu danken und werden ihr stets ein ehrendes, herzliches Andenken bewahren.

Unser Stipendiatenkonzert am 4. Juni 2019, in dem auch Musik ihres Vaters Siegfried erklingen wird, werden wir der Verstorbenen widmen.
Zwei Tage nach diesem Konzert begeht die Musikwelt den 150. Geburtstag von Siegfried Wagner.

Thema gesucht – Goldschatz gehoben

August Wilhelmj – der deutsche Paganini?

Diese Frage, die die Musikwissenschaftlerin und Geigerin Mareike Beckmann mit dem Titel ihrer Doktorarbeit selbst aufwirft, hat sie im April-Jour Fixe des RWV Frankfurt eindeutig verneint. Gemeinsam sei den beiden lediglich die herausragende Bedeutung in ihrer Zeit, so Beckmann. Mit ihrer Dissertation, die in Kürze als Band 2 der Frankfurter Wagner-Kontexte im Tectum Verlag erscheint, bringt sie den aus Usingen stammenden Geigenvirtuosen August Wilhelmj wieder einem breiteren Publikum ins Gedächtnis. Ein Nachfahre der Familie hatte das Thema angeregt und ihr Doktorvater, Prof. Peter Ackermann an der HfMDK Frankfurt, die entscheidenden Weichen gestellt. Für die Autorin wurde das zur Gelegenheit, „einen Goldschatz auszugraben“, wie sie berichtet. August Wilhelmj entwickelte eine Technik, die Kantilene länger zu halten als bis dahin möglich. Seine neue Spieltechnik machte es erst möglich, große Hallen zu bespielen wie die Tonhalle Zürich, die Carnegie Hall oder die Royal Albert Hall, die damals gebaut wurden. Als Solist genoss Wilhelmj höhere Anerkennung als Joseph Joachim, der als sein heftigster Konkurrent galt. Richard Wagner konnte erst durch Wilhelmj seine unendlichen Melodien komponieren. Wagners Bewunderung für den auch komponierenden Geiger führte zu dessen Engagement als erster Konzertmeister der Bayreuther Ring-Uraufführung von 1876.

Dr. Mareike Beckmann – Publikationsstipendiatin 2019 im RWV Frankfurt (Foto: privat)

Mareike Beckmann will mit ihrer Arbeit Schnittstelle zwischen Musikwissenschaft und Praxis sein. Alte Interpretationspraktiken aufzudecken ist ihr ein besonders Anliegen. Inzwischen ist sie Mitarbeiterin beim Projekt „Wagner-Lesarten“, das unter Leitung von Kent Nagano den Ring des Nibelungen in historisch informierter Aufführungspraxis vorbereitet.

Das Buch „August Wilhelmj – der deutsche Paganini?“ erscheint am 13. Mai 2019 zum Preis von 48 € im Tectum Verlag (Frankfurter Wagner-Kontexte, Band 2, 256 Seiten, 17 x 24 cm, Hardcover, ISBN 978-3-8288-4162-8 / auch als E-Book für 37,99 € erhältlich).

Bayreuth – oben ohne

Besuch der festspielfreien Festspielstadt

Prachtvolle Frühlingsstimmung am Bayreuther Festspielhaus – Foto: Christoph Jenisch

Spannende Einblicke in die Welt auf dem „Grünen Hügel“, in Baukunst, Lebensart, Musikgeschichte und Klavierbau, Begegnungen mit einflussreichen Stadtpersönlichkeiten sowie als Sahnehäubchen Überraschungskonzerte mit zwei mitgereisten Pianisten an historischen Flügeln von Wagner und Liszt – das waren herausragende Elemente einer viertägigen Frühlingsreise des RWV Frankfurt unter dem Motto „Bayreuth außerhalb der Festspiele“.

Den ausführlichen Bericht mit weiteren Bildern finden Sie > hier

Bestandsaufnahme in eigener Sache

7 RWV-Vorsitzende trafen sich in München zum Erfahrungsaustausch

Karl Russwurm, Mitglied des RWVI-Präsidiums und zugleich Vorsitzender des RWV München, war es ein Anliegen, erstmals beim Anknüpfen von engeren Beziehungen unter den süd- bzw. südwestdeutschen Wagner-Verbänden nicht nach dem Motto „Mia san mia“ zu verfahren, sondern als Motor und Motivator Hilfestellung dabei zu leisten, die erfolgreich arbeitenden Vereine zu einer Regionalkonferenz an einen Tisch zu bringen. Sein Ziel: einen intensiveren Erfahrungsaustausch unter den Vorsitzenden anzustoßen als es bei Kongressen oder zufälligen Treffen erreichbar ist und die regionale Zusammenarbeit schrittweise zu vertiefen.

An Themenfeldern gibt es wahrlich keinen Mangel: was macht die Verbände vor Ort erfolgreich, wo liegen Probleme? Wie wird der Nachwuchs bei Stipendiaten, im Vorstand und bei Mitgliedern generiert? Wie funktionieren vor Ort Netzwerke mit Kooperationspartnern? Welche Erwartungen gibt es an den Dachverband RWVI und wie kann dessen Arbeit für die Ortsverbände verbessert werden?

Die Vorsitzenden aus Ammersee, Augsburg, Bamberg, Frankfurt, Rosenheim-Chiemgau und Stuttgart nahmen am 17. März die Chance wahr und diskutierten intensiv miteinander. Freilich konnten an einem Tag keine Patentlösungen für die drängendsten Fragen gefunden werden, aber es ergaben sich einige Ansätze:
– Aufbau bzw. Wiederbelebung regionaler Gemeinschaftsveranstaltungen
– Nutzung eigener Reiseaktivitäten zu lokalen Treffen mit den RWV vor Ort
– Aufbau eigener Education-Programme, z.B. Gewinnung angehender Musikpädagogen als Stipendiaten, um Workshops mit Musikgymnasien durchzuführen oder Bildung von Patenschaften zwischen musikpädagogisch ausgebildeten Mitgliedern und Schulen.

Auch wurden Problemfelder des Dachverbandes RWVI erörtert. So suchte man z.B. gemeinsam Ansätze, den „Gesangswettbewerb für Wagnerstimmen“ zu reformieren, um dessen Attraktivität für die Ortsverbände nachhaltig zu steigern.

Ein Anfang ist gemacht. Noch in 2019 ist eine Fortsetzung dieses „best practice“ Formates geplant.

„tell him: he is the best!“

Johannes Martin Kränzle mit Rheingold-Preis des RWV Frankfurt geehrt

Am vergangenen Sonntag erhielt Johannes Martin Kränzle den Rheingold-Preis des Frankfurter Richard-Wagner-Verbandes, mit dem eine Ehrenmitgliedschaft im etwas anderen Fanclub verbunden ist. Im Portraitkonzert stand jedoch nicht nur der Bariton, sondern insbesondere der Komponist Kränzle im Mittelpunkt.

Auch für die geniale Verschmelzung seiner herausragenden, gesanglichen Qualitäten mit einer intensiven, wandlungsfähigen und wahrhaftigen Darstellung wurde Johannes Martin Kränzle am 17.02.19 geehrt. Foto: Christoph Jenisch – RWV Frankfurt

Die Laudatio hielt der Intendant der Oper Frankfurt, Bernd Loebe. Er überbrachte dem Preisträger auch Glückwünsche des gerade in der Mainmetropole weilenden Musikdirektors des Royal Opera House London, Sir Antonio Pappano: „tell him: he is the best!“.

Bernd Loebe, Intendant der Oper (des Jahres) Frankfurt, hielt die Laudatio auf sein ehemaliges Ensemble-Mitglied. Foto: Christoph Jenisch – RWV Frankfurt

In einer Erstaufführung trug Johannes Martin Kränzle die von ihm für Streichquartett bearbeiteten „Hollywood-Elegien“ von Hanns Eissler vor. Die Mezzosopranistin Lena Haselmann präsentierte seinen 2016 entstandenen Zyklus „Lieder um Liebe“, der ebenfalls auf Brecht-Texten basiert. Gemeinsam gab das Künstlerpaar zudem zwei Kränzle-Bearbeitungen der Brahms-Duette Vor der Tür und Es rauschet das Wasser. Alle Stücke wurden vom Malion-Quartett begleitet, das junge Musikerinnen aus Frankfurt und Stuttgart vereint. Eine Abrundung erfuhr das Konzertprogramm durch ein von Hannelore Schmid (Vorstand RWV Frankfurt) moderiertes Gespräch, das die vielfältigen Facetten der Künstlerpersönlichkeit Johannes Martin Kränzle beleuchtete.

Der Moment der Preisübergabe: Johannes Martin Kränzle mit Urkunde, Bernd Loebe, Hannelore Schmid und Dirk Jenders (von rechts nach links). Foto: Christoph Jenisch – RWV Frankfurt

Den ausführlicher Bericht und weitere Fotos finden Sie > hier

Traumjob: Operndramaturgin

Mareike Wink berichtet über ihre Arbeit an der Oper Frankfurt

Mareike Wink, Dramaturgin an der Oper Frankfurt und Bayreuth-Stipendiatin 2015 (Foto: privat)

Was macht eigentlich die Dramaturgie? Ziemlich vieles, wie beim Jour Fixe am 23. Januar von Mareike Wink zu erfahren war. Seit 2013 arbeitet sie als Dramaturgin an der Oper Frankfurt und hat dort ihren Traumjob gefunden. Insgesamt 18 Einzelwerke in 13 Premieren hat sie bis heute begleitet. Zwei Jahre vor einer Premiere beginnt ihre Arbeit am Stück, denn Frankfurt setzt auf das Konzept der Produktionsdramaturgie: Regisseur, Dramaturg, Bühnenbildner, Kostümbildner und der musikalische Leiter entwickeln gemeinsam das Konzept für die Inszenierung. „Der Dramaturg ist der beste Freund und auch der erste Kritiker des Regisseurs, und er ist gleichzeitig das Scharnier zwischen allen Beteiligten und dem Opernhaus“, erzählt Mareike Wink.
Die Modellpräsentationen bei Intendanz und technischer Leitung folgen, Entwürfe müssen optimiert, Kontakte zu Verlagen und manchmal auch zu Erben der Komponisten gepflegt und Rechte geklärt werden, bis schließlich alles in die sechs hochintensiven Probenwochen vor der Premiere mündet, in denen gemeinsam mit den Darstellern der Feinschliff erfolgt. Nebenbei hat Wink das Programmheft und Beiträge fürs Opernmagazin zusammengestellt und den Einführungsvortrag geschrieben. Und natürlich laufen parallel Planungen für nachfolgende Inszenierungen.

Wink, die Musik-, Theater- und Medienwissenschaften in Frankfurt sowie Rom studiert und an den Opernhäusern in Frankfurt und Wien hospitiert hat, gehörte zu unserem Stipendiaten-Jahrgang 2015. Sie kann bereits beachtliche Erfolge vorweisen. Die von ihr begleitete Produktion „Das schlaue Füchslein“ (Regie: Ute M. Engelhardt) wurde 2016 mit dem Götz-Friedrich-Preis ausgezeichnet, die Frankfurter Erstaufführung dreier Einakter von Ernst Křenek (Regie: David Hermann) als »Wiederentdeckung des Jahres« mit dem International Opera Award 2018 gefeiert. Selbst einmal Regie führen möchte sie nicht. „Ich lese und schreibe gerne, rede mit den Menschen, und ich genieße es, mich mit immer neuen Themen auseinanderzusetzen, da bin ich in der Dramaturgenfamilie unseres Opernhauses am richtigen Platz.“

Den richtigen Platz für seine künftigen Jour Fixe-Abende hat auch der RWV Frankfurt an diesem Abend gefunden. Im Wirtshaus am Hühnermarkt mitten in der neuen Altstadt überzeugten Ambiente, Küche sowie Service und mit der U-Bahn bzw. dem Parkhaus „im Keller“ ist die Verkehrsanbindung hervorragend. 

Mitgliederrekord und erstes Programm-Highlight 2019

2019 startet mit 202 Mitgliedern – Rheingold-Preis an Johannes Martin Kränzle

62 / 92 / 110 / 122 / 144 / 155 / 166 / 180 / 184 // 202 – was auf den ersten Blick nach den Gewinnzahlen einer XXL-Neujahrslotterie aussieht, ist tatsächlich die Mitgliederentwicklung im RWV Frankfurt seit 2009. Die aktuelle Zahl 202 stellt einen neuen Mitgliederrekord auf. In den vergangenen 10 Jahren ist insgesamt sehr viel Positives bei den Frankfurter Wagner-Freunden passiert. Das Vereinsprofil zählt heute zu den vielseitigsten unter den weltweiten Wagner-Verbänden. Das wird auch überregional wahrgenommen und mit Interesse verfolgt.

Johannes Martin Kränzle – Rheingold-Preisträger 2019 im RWV Frankfurt am Main
(Foto: Christian Palm)

Nach 2010 (GMD Sebastian Weigle) und 2014 (Bariton Terje Stensvold) verleiht der RWV Frankfurt am Sonntag, 17. Februar 2019, seinen Rheingold-Preis an den Sänger des Jahres 2011 und 2018, den Bariton Johannes Martin Kränzle. Mit der damit verbundenen Ehrenmitgliedschaft wird ein in Frankfurt lebender Sänger und Darsteller gewürdigt, der das Publikum mit allen Facetten seiner Künstlerpersönlichkeit begeistert. Zuletzt wurde er hier als Siskov, in Bayreuth als Beckmesser und in London als Alberich gefeiert. Im Konzert am 17. Februar um 16:00 Uhr im Dr. Hoch’s Konservatorium kann man den Bariton aber nicht nur singend erleben. In erster Linie wird der Komponist Johannes Martin Kränzle – neben seinen Liedern um Liebe (gesungen von Lena Haselmann) – mit gleich zwei Erstaufführungen vorgestellt. Frankfurts Opernintendant Bernd Loebe wird die Laudatio auf den Preisträger halten.  Infos siehe Termine