Kein Licht (mehr) am Ende des Tunnels

Abschied vom Götz Friedrich-„Ring“ nach 33 Jahren

Der tatsächlich letzte Vorhang für den legendären Berliner Tunnel-Ring am 17. April 2017 in der Deutschen Oper (Foto: C. Jenisch – zum Vergrößern ins Bild klicken)

Seit 1984 stand der legendäre „Tunnel“-Ring auf dem Programm der Deutschen Oper Berlin. 400.000 Besucher erlebten seitdem das eindrucksvolle Gesamtkunstwerk aus Bühnenbild und Personenregie. Generationen der weltweit besten Wagner-Sänger und Dirigenten wirkten in den über 50 Aufführungen mit.

Stefan Vinke (Siegfried) und Evelyn Herlitzius (Brünnhilde) baden genussvoll in den Ovationen des begeisterten Publikums (Foto: C. Jenisch – zum Vergrößern ins Bild klicken)

An Ostern ereignete sich dieser Publikumsliebling unter den „Ring-Zyklen“ zum letzten Mal vor (dem seit zwei Jahren!) ausverkauften Haus.

Chor und Ensemble nach dem 2. Akt „Götterdämmerung“ (Foto: C. Jenisch – zum Vergrößern ins Bild klicken)

Einen ausführlichen Bericht über unsere Gruppenreise nach Berlin finden Sie in Kürze hier.

Standing Ovations für Albert Pesendorfer (Hagen), Evelyn Herlitzius (Brünnhilde), Peter Sykora (Bühne und Kostüme), Ricarda Merbeth (Gutrune), Stefan Vinke (Siegfried) und Seth Carico (Gunther) nach der „Götterdämmerung“ (Foto: C. Jenisch – zum Vergrößern ins Bild klicken)

 

Houston, wir haben ein Problem

Wahnfried im Badischen Staatstheater Karlsruhe

Der Wagnerdämon reitet auf dem Drachen (Foto: Staatstheater Karlsruhe)

22 Mitglieder unseres Verbandes besuchten am 19. März Avner Dorman’s neue Oper „Wahnfried“ in Karlsruhe. Erzählt wird die Geschichte des Wagner-Clans, der nach dem Tod des Meisters von Bayreuth aus bestimmte, was als Wagners Erbe zu gelten hatte. Das Libretto stammt von Lutz Hübner und Sarah Nemitz. Das ausverkaufte (!) große Haus wurde Zeuge eines grotesken und provokanten Kampfes hinter den Mauern von Wahnfried um die Deutungshoheit über Wagners Werk und Leben. GMD Justin Brown leitete die fantastisch sichere, groß besetzte Badische Staatskapelle durch die vielseitige, von Stil- und Rhythmuswechseln nur so strotzende Partitur, dass es eine Freude war. Von den 12 Gesangspartien seien Countertenor Eric Jurenas (Siegfried Wagner), Matthias Wohlbrecht (Housten Stewart Chamberlain), Renatus Meszar (Levi) und Christina Niessen (Cosima Wagner) besonders erwähnt. In ihrer Reihe „Politische Oper“ hat das Staatstheater Karlsruhe mit dieser üppig ausgestatteten Produktion wahrliche eine Meisterleistung vollbracht. Glückwunsch!

Adorno und Berg

Alfred Stenger über eine ganz besondere Beziehung

Drei Monografien über herausragende Musikerpersönlichkeiten hat Theodor W. Adorno verfasst: über Richard Wagner, Gustav Mahler und über Alban Berg. Ein Abend Adorno und Berg als Veranstaltung des RWV Frankfurt im wiederum gut besetzten Vortragssaal des Hoch’schen Konservatoriums bildete den Abschluss der Vortragstrilogie, die Prof. Alfred Stenger über den Frankfurter Gelehrten präsentierte.

Berg war 1925 in Wien Kompositionslehrer von Adorno gewesen; anders als zu Wagner und Mahler bestand also eine persönliche Beziehung. Die Sympathie zwischen Lehrer und Schüler entwickelte sich mit den Jahren zu einer tiefen Freundschaft. Adornos Monographie über Berg gliedert sich dementsprechend in einen musikanalytischen Teil und persönliche Erinnerungen.

Über 44 Jahre hinweg schrieb Adorno insgesamt acht kürzere Texte über Berg. Immer wieder betonte er darin dessen Nähe zu Mahler als eine „enthusiastische und vorbehaltlose Beziehung“. Das Fließen Bergscher Musik – „geometrisch-klar wie eine Architekturzeichnung“ – erinnerte Adorno aber auch an die Malerei von Cezanne. Eine besondere Vorliebe Adornos gehörte der Teich-Szene in Wozzeck mit ihren spiralartigen Figuren und Tonleitern. Zahlreiche Musikeinspielungen illustrierten die Ausführungen Alfred Strengers.

Die Lyrische Suite von Berg bezeichnete Adorno als latente Oper – mit Reminiszenzen an Haydns Abschiedssinfonie: „Ein Instrument schweigt nach dem andern. Die Bratsche ist allein übrig. … Sie muss spielen für immer; nur wir sind es, die sie nicht mehr vernehmen.“ Bergs Violinkonzert, sein vielleicht populärstes Stück, „ein Werk planvoller Deutlichkeit, die sich mit expressiv-programmatischem Charakter verbindet“, empfand Adorno als konservative Rückwendung Bergs. Und er scheut sich nicht, konkrete Ratschläge für dessen Ausführung zu geben: „Ehe die Interpreten sich an das Ganze begeben, tun sie gut daran, alle Einzelheiten wie durchs Mikroskop zu betrachten.“

Den zweiten Teil der Berg-Monografie, die „Erinnerungen“, legte Alfred Strenger seinen Zuhörern besonders an Herz. Seine große Bewunderung für Alban Berg und die Dankbarkeit Adornos prägen diese Kapitel. Von Adorno stammt auch der Rat: „Wer ernsthaft Zugang sucht zu Bergs Musik, wird gut tun, mit den elf Seiten der Klaviersonate sich eingehend zu befassen.“ Die Klaviersonate Opus 1 ist Bergs „Gesellenstück“. Für die Teilnehmer des Abends wurde sie einfühlsam interpretiert von Prof. Eike Wernhard von der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst.

Der Frankfurter RWV-Vorsitzende, Dirk Jenders, bedankte sich beim Referenten des erfolgreichen Vortragszyklus unter dem großen Applaus des Publikums mit einer „Stenger und Adorno“-Collage.

Zum Nachlesen finden Sie die drei Vorträge der Adorno-Reihe (Wagner – Mahler – Berg) hier

Heldentenor statt Rundfunkchor

Stefan Vinke zu Gast beim Jour Fixe

Stefan Vinke (rechts) im Gespräch mit Dirk Jenders (Foto: H. Schmid)

Heldentenor zu werden war nicht der Herzenswunsch des jungen Stefan Vinke. Über Akkordeon, Klavier und Kontrabass war er zur Orgel gekommen, machte das A-Examen als Kirchenmusiker und wollte dem Metier eigentlich treu bleiben. Weil es am Kirchenmusikinstitut an Frauenstimmen fehlte, sang der Tenor Vinke oft die Altpartien; dabei wurde sein überragendes Stimmtalent entdeckt und weiter entwickelt, wenn auch zunächst nicht in Richtung Oper.

Erst mit 26 Jahren besuchte Vinke erstmals eine Opernaufführung, den „Fliegenden Holländer“; bei einer Fernsehübertragung der „Walküre“ sei er damals eingeschlafen, bekannte er freimütig im Gespräch mit Dirk Jenders. Mit 28 Jahren startete er in Karlsruhe seine Opernkarriere (mit dem Ersten Strolch in Orffs „Die Kluge“); recht glücklich wurde er im Badischen nicht. Er versuchte, in einem Rundfunkchor unterzukommen, aber dort fand man seine Stimme zu speziell. Es folgte ein Engagement in Mönchengladbach, und Vinke wurde Stipendiat des RWV Bochum. In diese Zeit fällt auch sein Gesangsstudium bei Edda Moser. Sie erkannte schon in der erste Stunde sein enormes Potential, drückte ihm die Partitur zu „Ein Schwert verhieß mir der Vater“ in die Hand und versicherte ihm: „Das werden Sie eines Tages singen.“ Kurze Zeit später gab Vinke in Mannheim sein Debut mit vier Wagneropern in einer Saison. 2000 wurde er von der „Opernwelt“ zum Nachwuchssänger des Jahres gekürt, von da an erfolgte stetig und mit zum Teil abenteuerlichen Arabesken der Aufstieg zum Weltstar.

Wann sieht Stefan Vinke rot in Sachen Regie? „Ich lehne keinen Regisseur ab, weil ich denen was zu sagen habe. Allerdings gibt es Regisseure, die ablehnen, mit mir zu arbeiten.“ Einmal, in Melbourne, packte er die Koffer, als der Regisseur darauf bestand, in der „Götterdämmerung“ den toten Siegfried im Adamskostüm auftreten zu lassen. Für die Intendanz keine Frage: der Regisseur musste nachgeben.

Und welchen Rat würde der arrivierte Heldentenor jungen Menschen geben, die eine Sängerkarriere ins Auge fassen? „Überlegt Euch gut, ob ihr das wirklich wollt,“ meint Vinke. Bei Brutto-Einstiegsgehältern von unter 1.700 Euro steht eine lange Durststrecke bevor. „Und fragt genau nach, worauf ihr Euch an einem Haus einlasst.“ Er weiß, wovon er spricht. Sein erstes Engagement bestand aus 111 Abenden in einer Saison – mit Kleinstrollen. Heute ist er „Siegfried“ in Berlin, Wien, Bayreuth, München, New York …

Ei! Wie schmeckt der Coffee süße

Wagnerianer auf Kaffeefahrt

Flaumiger Streuselkuchen und duftende Kaffee-Spezialitäten erwarteten die Frankfurter Wagner-Freunde, die am 25. Januar trotz eisiger Temperaturen den Weg in die traditionsreiche Kaffeerösterei Wacker gefunden hatten. In den über 100 Jahren seines Bestehens ist das von einer jungen Schwäbin gegründete Geschäft in Frankfurt Kult geworden; bis heute wird es als Familienunternehmen geführt, inzwischen mit über 80 Beschäftigten.

Die Zeit verging wie im Flug, während Mitarbeiter Lukas Gerner über den Anbau von Kaffee, seine Verarbeitung und die Herkunftsländer informierte. Darüber, dass Vietnam nach Brasilien das zweitwichtigste Erzeugerland für Kaffee ist, seitdem dort der Anbau zur Versorgung der sozialistischen Bruderländer massiv gefördert worden war. Dass die milden, würzigen Arabica-Sorten Höhenluft brauchen, die herberen Robusta-Sorten für Espresso dagegen auch im Tiefland gedeihen. Und dass bei den Kaffeebauern im Durchschnitt nur sieben Prozent unseres Ladenpreises ankommen, unser Finanzminister dagegen bei jedem Pfund Bohnen mit mehr als einem Euro Kaffeesteuer dabei ist.

Die zartgrünen fermentierten und getrockneten Rohbohnen treten auch heute noch in Jutesäcken die Reise übers Meer an. Sie schmecken nach nichts; erst mit dem Rösten entwickelt sich das Kaffeearoma. Lukas Gerner zelebrierte das an der großen Rösttrommel des Hauses. Die hohe Kunst besteht darin, den Röstprozess zum richtigen Zeitpunkt zu beenden; und darin, die einzelnen Sorten und Herkünfte so zu komponieren, dass jeder das Passende für seinen Geschmack findet. Drei Dutzend Mischungen umfasst Wacker’s-Sortiment. 

Nein, keine "Tannhäuser"-Bühnenkunst - vielmehr: Der Kaffee ist fertig! (Foto: RWV Frankfurt)

Nein, keine „Tannhäuser“-Bühnenkunst – vielmehr: Der Kaffee ist fertig! (Foto: RWV Frankfurt)

Lukas Gerner hatte zudem einen kleinen Trost für Kaffeetrinker parat, die um ihren Nachtschlaf bangen oder ihr Herz schonen wollen: Kaffee schmeckt auch ohne Coffein; diese Substanz stimuliert zwar, spielt aber überhaupt keine Rolle fürs Aroma.

Und der von Richard Wagner verehrte Johann Sebastian Bach hatte es auch schon immer gewusst und in seiner Kaffee-Kantate (BWV 211) verewigt: Ei! Wie schmeckt der Coffee süße, Lieblicher als tausend Küsse, Milder als Muskatenwein. Coffee, Coffee muss ich haben, Und wenn jemand mich will laben, Ach, so schenkt mir Coffee ein!

Wenn (Wagner-)Träume wahr werden

Frankfurter Stipendiaten 2017 freuen sich auf Bayreuth

Vom 14. bis 19. August entsendet der etwas andere Fanclub der Frankfurter Wagner-Freunde erneut 10 angehende Bühnenschaffende als seine diesjährigen Stipendiaten auf den Grünen Hügel. Damit ist der RWV Frankfurt im Kreise der weltweit 130 Wagner-Verbände erneut förderstärkster Partner der Richard-Wagner-Stipendienstiftung in Bayreuth.

Die jungen Talente vom Dr. Hoch’s Konservatorium, der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst (HfMDK) sowie der Oper Frankfurt (Opernstudio und Paul-Hindemith-Orchesterakademie) repräsentieren diese Fachrichtungen: Sopran, Bariton, Bassbariton, Cello, Klavier, Querflöte, Trompete, Violine, Chorleitung und Theater-/Orchestermanagement. Die vier Damen und sechs Herren kommen aus Deutschland (6), Argentinien (2), England und Südafrika.

In Bayreuth werden sie u.a. die Festspielaufführungen Die Meistersinger von Nürnberg, Tristan und Isolde sowie Die Walküre besuchen. Zudem wird ihnen dort ein umfangreiches Rahmenprogramm sowie die Möglichkeit geboten, sich mit den anderen 240 internationalen Stipendiaten zu vernetzen, die die weltweit aktiven Wagner-Verbände zeitgleich in die Festspielstadt entsenden. Aber auch in den Monaten vor bzw. nach Bayreuth begleitet der RWV Frankfurt seine Stipendiaten auf ihrem Weg in die Professionalisierung hier vor Ort. Am Donnerstag, 22. Juni, (19:30 Uhr im Dr. Hoch’s Konservatorium) stellen sie sich alle im Konzert vor und erhalten dann auch die heißbegehrten Stipendienurkunden.

Von Wagner zu Hindemith

… und zurück? Anmerkungen zu einem schwierigen Verhältnis

Es war eine sehr wechselvolle Beziehung, die Paul Hindemith mit Richard Wagners Werk verband. Der Musikwissenschaftler Wolfgang Rathert – bereits als 18jähriger Abiturient Stipendiat des RWV Minden – schilderte das beim vorweihnachtlichen Zusammentreffen der Frankfurter Wagner-Freunde am 3. Dezember im restlos ausverkauften Kuhhirtenturm an eindrucksvollen Beispielen.

Prof. Dr. Wolfgang Rathert (Ludwig-Maximilians-Universität München) sucht und findet Verbindendes zwischen Paul Hindemith und Richard Wagner (Foto: RWV Frankfurt)

Prof. Dr. Wolfgang Rathert (Ludwig-Maximilians-Universität München) sucht und findet Verbindendes zwischen Paul Hindemith und Richard Wagner (Foto: RWV Frankfurt)

Paul Hindemith, Jahrgang 1895, wurde in eine von Wagner durch und durch geprägte Musikwelt hineingeboren. Der Wagner-Kult des Kaiserreichs und der damalige Mythos um den Komponisten seien heute unvorstellbar, so Rathert. Kein Wunder also, dass der junge Musiker sich in diesem Umfeld an Wagner-Parodien versuchte! Schon bald sind aber, wie Rathert zeigte, in Hindemiths Werk Wagnersche Ausdrucksformen zu entdecken, etwa aus der „Walküre“ in seinem Einakter „Sancta Susanna“ von 1922. „Sancta Susanna“ übernimmt zugleich das symmetrische Konzept des Parsifal: Kundry erscheint als Vorbild für Susanna.

Hindemith, seit den 20er Jahren der Star unter den jungen Komponisten, wollte zwar das expressionistische Theater beenden und sich damit von Wagner absetzen. Aber im musikalischen Hörbild „Der Flug der Lindberghs“, einer Gemeinschaftsproduktion mit Bert Brecht und Kurt Weill für den Rundfunk im Jahr 1929, erinnert dessen „Nebel“- Passagen an Wotans Einzug in Walhall aus dem „Rheingold“.

Mit „Mathis der Maler“, uraufgeführt 1938, wurde Hindemith schließlich wie Richard Wagner sein eigener Librettist; das Werk sollte wie Wagners „Meistersinger“ eine „deutsche“ Oper sein. Theodor W. Adorno, ursprünglich ein glühender Verehrer Hindemiths, ätzte damals, man habe es bei dem – zum Zeitpunkt der Niederschrift noch nicht 40jährigen – Komponisten mit „einem krassen Reaktionär zu tun, der mit dieser Oper sein eigenes Staatsbegräbnis geschaffen hat“. Zum großen Thema Hindemiths wurde „die Gefährdung der Seele im Zeitalter der Moderne“, wie Rathert ausführte; dieses Thema habe er in seinen Werken in den verschiedensten Formen umgesetzt.

Ein hoch konzentriertes, virtuoses HfMDK-Duo spielt Hindemith im Kuhhirtenturm: Cellistin Hsiang-Yi Yang und Pianistin Yu-Chen Yu (Foto: RWV Frankfurt)

Ein hoch konzentriertes, virtuoses HfMDK-Duo spielt Hindemith im Kuhhirtenturm: Cellistin Hsiang-Yi Yang und Pianistin Yu-Chen Yu (Foto: RWV Frankfurt)

Hindemiths 3 Stücke für Cello & Klavier op. 8 – kombiniert mit Johann Sebastian Bachs Suite Nr. 1 G-Dur für Violoncello solo – wurden im Konzertteil des Nachmittags live durch die Cellistin Hsiang-Yi Yang und Pianistin Yu-Chen Yu (beide HfMDK-Studierende) dargeboten. Zum Ausklang gab es nicht nur anregende Gespräche, sondern auch den schon traditionellen Dresdner Christstollen zu Söhnlein Rheingold-Sekt.

Jahrhundert-Lohengrin trifft Bundesoperetten-Sängerin

Zwei Stars aus der Talentschmiede Neu-Isenburg

Rose Wießler, die stellvertretende Vorsitzende des RWV Frankfurt, hatte sie entdeckt, die Franz Völker und Anny Schlemm-Gesellschaft in Neu-Isenburg, und mit deren langjährigem Vorsitzenden Berthold Depper ein Zusammentreffen organisiert. Am 19. November verbrachten 27 Mitglieder unseres Verbands einen anregenden Nachmittag in der Stadt der 1000 Sänger, wie Neu-Isenburg sich nennt. Im Stadtmuseum Haus zum Löwen stellte uns Berthold Depper die beiden Ausnahmekünstler mit Anekdoten, Film- und Interviewausschnitten sowie wunderbaren Musikbeispielen vor und zeigte auch Bespiele der „Devotionaliensammlung“ seiner Gesellschaft.

Heldentenor Franz Völker aus Neu-Isenburg

Heldentenor Franz Völker aus Neu-Isenburg

Franz Völker, Jahrgang 1899, hatte schon als junger Chorsänger die Aufmerksamkeit des Großherzogs Ernst Ludwig auf sich gezogen, der seine Ausbildung finanzieren wollte. Der 1. Weltkrieg hätte die Karriere des Tenors dann beinahe verhindert. Völker ließ sich nach der Rückkehr zum Bankkaufmann ausbilden. 1925 aber brachte ihm ein Radiosängerkrieg im gerade gegründeten Sender Frankfurt, bei dem er vom Publikum aus Hunderten von Mitbewerbern zum Sieger gewählt wurde, einen Vertrag der Frankfurter Oper ein. Er debütierte als Florestan, der die Rolle seines Lebens bleiben sollte. Später ging er nach Wien, Berlin und München und sang an allen bedeutenden Opernhäusern Europas. Sein Bayreuther Lohengrin von 1936 gilt bis heute als Meilenstein. Der Heldentenor hatte aber auch ein Faible für die leichte Muse; das zeigen zahllose Schellackplatten aus den 20er Jahren.

Anny Schlemm's Portrait im besten Lichte; davor v.r.n.l.: Berthold Depper, Rose Wießler und Dirk Jenders (Foto: H. Schmid)

Anny Schlemm’s Portrait im besten Lichte; davor v.r.n.l.: Berthold Depper, Rose Wießler und Dirk Jenders (Foto: H. Schmid)

Eine Blitzkarriere gelang Anny Schlemm, 1929 in Neu-Isenburg geboren und später in Halle aufgewachsen. Mit 17 debütierte sie am dortigen Landestheater als Bastienne; zwei Jahre später holte sie Ernst Legat an die Berliner Staatsoper; gleichzeitig verpflichtete Walter Felsenstein sie an die Komische Oper. Nach dem Krieg wechselte Anny Schlemm nach Köln und später nach Frankfurt, wo sie viele unserer Mitglieder noch in verschiedenen Rollen erlebt haben, letztmalig in der Saison 2002/2003. Gastauftritte führten sie in die namhaftesten Opernhäuser der Welt und zu allen bedeutenden Festspielen, auch als „Holländer“-Mary nach Bayreuth. Ihr jugendlich heller Sopran entwickelte sich im Lauf ihrer fast sechzigjährigen Bühnenkarriere zum Mezzo und Alt. Ihre Liebe zur sogenannten leichten Muse brachte ihr in den 1950er Jahren den liebevollen Titel „Bundesoperettensängerin“ ein. Anny Schlemm lebt heute bei ihrem Sohn, dem Jazz-Musiker Uli Rennert, in Graz.

Die Teilnehmer ließen es sich nach den vergnüglichen Stunden im Haus zum Löwen noch bei Apfelwein Föhl wohl sein.

RWV Frankfurt auf Stifterwand gewürdigt

HfMDK dankt für wertvolle Kooperation

Seit wenigen Tagen prangt der Richard-Wagner-Verband Frankfurt am Main auf der Stifterwand im Foyer der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt (HfMDK).

Die Stifterwand im Foyer der HfMDK (Foto: RWV Frankfurt)

Die Stifterwand im Foyer der HfMDK (Foto: RWV Frankfurt)

Mit diesem unübersehbaren Zeichen würdigt die Hochschule das Engagement für ihre Studentinnen und Studenten durch den etwas anderen Fanclub der Frankfurter Wagner-Freunde. Jährlich gehen vier Bayreuth-Stipendien an das Haus in der Eschersheimer Landstraße. Zudem engagiert sich der RWV Frankfurt seit 2015 aktiv in der Gesellschaft der Freunde und Förderer der HfMDK (GFF). Eine Kooperation bestand bereits von 1959 bis 1980, als nahezu alle Bayreuth-Stipendien des Frankfurter Ortsverbandes an die Musikhochschule gingen. Studenten wie die Altistin Ortrun Wenkel oder die Tenöre Robert Schunk, Christoph Prégardien (auch auf der Stifterwand zu finden!) und Wolfgang Schmidt profitierten damals davon. Zwischen 1981 und 2013 gab es dann eine Förderkooperation nur mit dem Dr. Hoch’s Konservatorium. Heute sind diese „Exklusiv-Patenschaften“ Geschichte und junge Künstler aus dem Dr. Hoch’s, der HfMDK sowie der Oper Frankfurt fahren auf Initiative des RWV allsommerlich gemeinsam zu den Bayreuther Festspielen.  20161117_113125