Veranstaltungstipp: 2.12.17, 14 h

Frankfurt 1927 – Welthauptstadt der Musik
90 Jahre
Musik im Leben der Völker & Sommer der Musik

Der Bauhaus-Flügel von Ferdinand Kramer (Historisches Museum Frankfurt, Foto: Uwe Dettmar)

Der Richard-Wagner-Verband Frankfurt erinnert am Samstag, 2. Dezember 2017, um 14 Uhr im Historischen Museum Frankfurt an ein Gipfel-treffen der Musik im Sommer 1927. Es wirken mit:
Stadthistoriker Dieter Wesp
Dr. Maren-Christine Härtel (Der Bauhaus-Flügel von Ferdinand Kramer)
Tobias Rüger (Saxophon) und Gerhard Schroth (Hindemith-Schüler am Kramer-Flügel)
Jazzklasse 2017 am Dr. Hoch’s Konservatorium

Ort: Historisches Museum Frankfurt
Leopold-Sonnemann-Saal

Eintritt frei – um eine großzügige Spende wird gebeten.
Das Programm finden Sie > hier

Veranstaltungspartner:
Historisches Museum Frankfurt
ernst-may-gesellschaft
Dr. Hoch’s Konservatorium
Musikmesse Frankfurt

Alle wollen in die Elphi

Der RWV Frankfurt war mit 32 Mitgliedern drin

Außen wie innen imposant: die Elbphilharmonie an einem sonnigen November-Tag 2017 (Foto: Dirk Jenders)

Drei Kultur-Events binnen 24 Stunden: Am vergangenen Wochenende bot unsere Hamburg-Reise ein Programm der Extraklasse. Den Auftakt bildete die in der Staatsoper vollkommen zurecht bejubelte Neuproduktion „Il Ritorno d’Ulisse in Patria“ von Claudio Monteverdi. Das Konzert des Philharmonischen Staatsorchesters Hamburg unter Marek Janowski am nächsten Morgen war in der atemberaubenden Architektur der neuen Elbphilharmonie Richard Strauss gewidmet. Hier konnte die (über-)perfekte Akustik des großen Saales zeigen, was sie kann. Angefangen beim zarten „Capriccio“-Streichsextett über deren großbesetzte Schlussszene mit Michaela Kaune (Gräfin Madeleine) und Wilhelm Schwinghammer (Haushofmeister) bis hin zur monumentalen „Alpensinfonie“ samt großem (Gewitter-)Blech, Kuhglocken und Orgel: jeder Ton traf das Ohr in bisher so nie vernommener Transparenz und Klarheit, sehr direkt und ja, auch laut – dem einen zur Freude, dem anderen zur Pein.

Michaela Kaune (Sopran), Marek Janowski (Dirigent) und das Philharmonische Staatsorchester Hamburg nehmen den Applaus im Großen Saal der Elbphilharmonie entgegen (Foto: Christoph Jenisch).

Nur wenige Stunden später tanzte das Hamburg Ballett John Neumeier in der Staatsoper dessen choreografische Phantasien über das Leben der Schauspielerlegende Eleonora „Duse“ (Musik: Arvo Pärt / Benjamin Britten). Ein virtuos-ästhetischer Abschluss einer großartigen Musikreise.

Hausmusik bei den Brentanos

Alfred Stenger spielt Bachs „Goldberg-Variationen“ in romantischem Ambiente

Angela Baronin von Brentano ließ es sich nicht nehmen, die Frankfurter Wagner-Freunde zu begrüßen und bei einem kurzen Rundgang durch das 1751 erbaute Brentano-Haus dessen große Geschichte zu skizzieren. Das Domizil in Oestrich-Winkel gilt als eines der geistig-kulturellen Zentren der Rheinromantik. Hier verbrachten die Brentanos, unter ihnen die Dichtergeschwister Clemens und Bettine, die Sommermonate. Auf der Gästeliste standen die Brüder Grimm, Achim von Arnim,  Freiherr vom und zum Stein, Friedrich Schlegel und Ludwig Tieck. 1814 bewohnte Johann Wolfgang Goethe für 8 Tage gleich zwei Räume des Obergeschosses und ging mit seinen Starallüren (dafür ohne Zähne) als unangenehmer, grantelnder Mensch in die Familienchronik ein. Noch heute erlebt der Besucher in den von der Tapete bis zum Mobiliar original erhaltenen Räumen die Wohnkultur und das Lebensgefühl jener Zeit.

Frankfurter Wagner-Freunde zu Gast im Großen Salon der Brentanos in Winkel (Foto: Christoph Jenisch)

In dieser einzigartigen Atmosphäre interpretierte das Mitglied im RWV Frankfurt, Prof. Alfred Stenger, die 1741 im Erstdruck erschienenen „Goldberg-Variationen“ von Johann Sebastian Bach. Am Blüthner-Flügel fand der Komponist, Musikschriftsteller und Hochschuldozent zu einer lyrisch-introvertierten Intimität, zu der wohl so nur der Große Salon im Brentanohaus inspirieren kann. Hier malte Stenger mit seiner ihm eigenen Ästhetik der Tonarten charaktervolle musikalische Landschaften aus Aria und kanonischen Variationen. Wenn Bach sein Werk fast schon lapidar als „Clavier-Übung“ bezeichnet, dann darf es zurecht als seine schwierigste Klavierkomposition gelten. Nach dem Konzert wechselten Interpret und Publikum ins benachbarte „Allendorf“, denn das Rheingau hat neben musischer Rheinromantik auch jede Menge Gaumenfreuden zu bieten – ganz wie weiland bei den Brentanos.

Alfred Stenger interpretiert Bachs „Goldberg-Variationen“ am Blüthner-Flügel (Samstag, 21. Oktober 2017 – Foto: Christoph Jenisch)

W = wahnsinnig gut

Wie Frankfurter Stipendiaten Wagner neu buchstabieren

Im „Bayreuth-Talk“: Timofej Stordeur, Theresa Bub und David Högermeyer (v.l.n.r. – Foto: RWV Frankfurt)

Im ersten Mitglieder-Jour Fixe nach den Bayreuther Festspielen berichten unsere Stipendiaten traditionsgemäß von ihrem Aufenthalt auf dem Grünen Hügel. Der Jahrgang 2017 wählte ganz unterschiedliche Formate, um das Erlebte zu vermitteln. Der Bogen spannte sich von einem lockeren Plauderton im Talkshow-Format über einen Impulsvortrag „Bayreuths starke Frauen“ bis hin zu einem temperament-vollen argentinischen Blick auf Bayreuth und einem neuen W-A-G-N-E-R – ABC, das die persönlichen Highlights zusammenfasste.

Leonie Domesle buchstabiert W-A-G-N-E-R neu (Foto: RWV Frankfurt)

Auch die drei Stipendiaten, die wegen einer Probe, eines Stipendiums (Sprachkurs in Italien) bzw. eines Vorstellungsgesprächs beim Intendanten der Oper Gent verhindert waren, ließen die Mitglieder via E-Mail an ihrer Rückschau teilhaben.

Bayreuth-Bericht mit argentinischem Temperament: Andres Hancke und Florencia Araujo (Foto: RWV Frankfurt)

Fünf (!) der jungen Talente traten als Junior-Mitglieder in den RWV Frankfurt ein und drückten damit ihre Verbundenheit mit den Zielen des Verbandes aus. Einen ausführlichen Bericht über den Abend mit unseren Stipendiaten finden Sie hier

Anastasia Watterston erinnert an „starke Bayreuther Frauen“: Cosima und Winifred (Foto: RWV Frankfurt)

Zum Raum wird hier das Werk

Fünf energiegeladene Bayreuther Festspieltage

Mensch und Natur haben alles aufgeboten, um den 250 aus aller Welt angereisten Stipendiaten (und natürlich dem sie begleitenden Wagner-Fan) ein unvergessliches Festspielerlebnis zu bereiten. Vom 14. bis 19. August erlebten die jungen Künstler einen Musiktheater-Intensivkurs, der natürlich im Zeichen des Bayreuther Meisters stand. Los ging es mit der vollkommen zu Recht umjubelten Barrie Kosky-Neuinszenierung „Die Meistersinger von Nürnberg“. Hier traf eine perfekte, das komödiantische im Werk nicht verleugnende  Personenregie auf Sängerdarsteller von Weltklasse. Dabei vergaß Kosky bei aller Spielfreude nicht, auch die „dunkle Seite der Macht“ auf die Bühne zu bringen – freilich ohne den moralischen Zeigefinger überzustrapazieren. Dies wurde gerade im 2. Akt während der „Prügelfuge“ deutlich. Fast surreal dazu die Szenen drinnen und draußen: Während das Nürnberger Volk auf der Bühne von gegenseitigen Handgreiflichkeiten absah, bewies die Natur über dem Festspielhaus, zu welcher Zerstörung sie fähig ist. Binnen Minuten ließen Gewitter und Sturm Bäume entwurzeln und die berühmte „W“-Fahne hing schlapp im Geäst über dem Restaurant.

Unsere 10 Frankfurter Stipendiaten – noch vor dem „Meistersinger“-Sturm – im Festspielpark. Stehend (v.l.n.r.): Florencia Araujo, Timofej Stordeur, David Högermeyer, Florian Richard, Theresa Bub, Thesele Kemane, Andres Hancke, Anastasia Watterston. Vorne: Dirk Jenders (RWV Frankfurt), Leonie Domesle, Harald Hieronymus Hein (Foto: RWV Frankfurt – zum Vergrößern ins Bild klicken)

Einen musikalischen Hochgenuss bot auch der zweite Abend „Tristan und Isolde“. Unser anschließendes Abendessen für die Stipendiaten aus Frankfurt & Leipzig stellte mit 35 Teilnehmern einen neuen Rekord auf. Neben der in Frankfurt engagierten Mezzosopranistin Tanja Ariane Baumgartner (Fricka im „Ring des Nibelungen“) nahmen der einzige Stipendiat des RWV Magdeburg und die ehemalige Bayreuth-Solistin Carola Guber (Mezzosopran, jetzt Musikhochschule Leipzig) als Gäste teil. Hier konnten sich die jungen Künstler in idealer Weise mit den Festspielprofis vernetzen und diese Chance nahmen sie auch wahr. Zum Abschluss der Stipendiatenwoche wurde „Die Walküre“ gegeben. An Frank Castorfs Sicht auf den Nibelungen-Stoff störte sich zumindest an diesem Abend niemand mehr, Sänger und Orchester wurden gefeiert und die Natur trug mit einem erneut heftigen Gewitterregen zum „4. Akt“ bei. Wer Glück hatte, kam gerade noch trocken ins Auto. Lob gebührt der Richard-Wagner-Stipendienstiftung. Das Team um Dr. Stefan Specht organisierte wieder ein großartiges Rahmenprogramm und so fuhren auch die 10 Frankfurter Stipendiaten mit vielen Eindrücken und neu begründeten Freundschaften nach Hause. Sie werden uns am 20. September im Mitglieder-Jour Fixe berichten.

Mit zwei Tangos nach Bayreuth

Unsere Frankfurter Stipendiaten nach ihrem Konzert am 22. Juni 2017 im Dr. Hoch’s (v.l.n.r.): Florian Richard, Florencia Araujo, Andres Hancke, Timofej Stordeur, Anastasia Watterston, David Högermeyer, Harald H. Hein, Theresa Bub, Leonie Domesle (zum Vergrößern bitte ins Bild klicken). Foto: RWV Frankfurt

Mit einem facettenreichen Konzertprogramm vom Barock (Telemann) bis zum Asien-inspirierten Zeitgenössischen (Offermans) präsentierten sich gestern unsere  diesjährigen Bayreuth-Stipendiaten im Dr. Hoch’s Konservatorium. Die 10 jungen Talente kommen aus Deutschland, Südafrika, England und Argentinien, weshalb auch zwei Piazzolla-Tangos im Programm nicht fehlen durften. Sie passten hervorragend zu diesem tropenheißen und überaus niveauvollen Musikabend.

Einen ausführlichen Konzertbericht finden Sie hier.

Neues schaffen – ganz im Sinne Wagners

RWV Frankfurt errichtet Publikationsstipendium

Mit einem Publikationsstipendium wird der RWV Frankfurt künftig musikwissenschaftliche Arbeiten fördern, die sich mit Richard Wagner und seinem Werk direkt oder innerhalb eines konkreten Kontextes auseinandersetzen. Das hat die Mitgliederversammlung am 10. Mai beschlossen. Durch die Übernahme der Druckkosten soll eine möglichst jährlich erscheinende Schriftenreihe des Verbandes begründet werden. Die Schriftenreihe wird nicht nur einen Beitrag zur Wagner-Forschung leisten; sie dürfte auch den Bekanntheitsgrad und die Reputation des RWV Frankfurt steigern, wie der Vorsitzende Dirk Jenders darlegte. Mit dem renommierten Schott Campus-Verlag in Mainz wurde ein idealer Partner gefunden; die Finanzierung wird primär durch zusätzliche Spenden der Mitglieder erfolgen. Die jährlichen Bayreuth-Stipendien des etwas anderen Fanclubs bleiben unverändert bestehen. Beiträge zur Schriftenreihe können von Autoren aus dem Rhein-Main-Gebiet, also primär der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst (HfMDK) und der Goethe-Universität in Frankfurt eingebracht werden. Bei der Vergabe der Stipendien wird der Vorstand auf die Expertise der betreuenden Professoren zurückgreifen. Erster Empfänger des Stipendiums ist der Bassist, Regisseur und Autor Selcuk Cara. Er promoviert bei Prof. Peter Ackermann (HfMDK) zum Thema „Verfall der Familienstrukturen als dramaturgisches Mittel in Wagners Ring des Nibelungen“. Cara verfasste bereits seine Diplomarbeit über „Tristan und Isolde“.

Der erste Doktorand für das neue Frankfurter RWV-Publikationsstipendium: Bass, Spiegel-Bestseller-Autor (Türke, aber trotzdem intelligent), Regisseur und Autoren-Filmer Selcuk Cara (Foto: R. Bernet)

Das Stipendium geht auf einen Vorschlag von Dr. Sven Hartung zurück, der auf dieser Mitgliederversammlung zum beratenden Vorstandsmitglied gewählt wurde. Hartung ist Wirtschaftsanwalt und war seit 2015 als Rechnungsprüfer für den RWV tätig. Er folgt auf Bärbel Franz, die ihr Mandat nach zwölf Jahren in dieser Funktion niederlegte, um einen sukzessiven Generationswechsel im Vorstand zu ermöglichen. Dirk Jenders dankte Bärbel Franz für ihr großartiges Engagement, das weit über die Zeit ihrer Vorstandstätigkeit hinausreicht, und zollte hohe Anerkennung für ihre Rolle als geschätzte Repräsentantin des RWV Frankfurt auf nationalem wie internationalem Parkett. Zur neuen Rechnungsprüferin wurde Heike Lüters gewählt, viele Jahre Schatzmeisterin im Verein der Freunde des hr-Sinfonieorchesters.

Insgesamt konnte Dirk Jenders eine erfreuliche Bilanz des vergangenen Jahres ziehen. Die Mitgliederzahl wuchs im 8. Jahr in Folge und die Zahl der Bayreuth-Stipendien konnte auf zehn erhöht werden, womit der RWV Frankfurt als der weltweit förderstärkste Wagner-Verband gilt.

Kein Licht (mehr) am Ende des Tunnels

Abschied vom Götz Friedrich-„Ring“ nach 33 Jahren

„Weise der Brücke den Weg“: Der legendäre Tunnel im „Rheingold“-Finale (Foto: B. Lammer)

Seit 1984 stand der legendäre „Tunnel“-Ring auf dem Programm der Deutschen Oper Berlin. 400.000 Besucher erlebten seitdem das eindrucksvolle Gesamtkunstwerk aus Bühnenbild und Personenregie. Generationen der weltweit besten Wagner-Sänger und Dirigenten wirkten in den über 50 Aufführungen mit.

Glückliches Wälsungen-Paar nach dem 1. Akt „Walküre“: Stuart Skelton und Eva-Maria Westbroek (Foto: B. Lammer)

An Ostern ereignete sich dieser Publikumsliebling unter den „Ring-Zyklen“ zum letzten Mal vor (dem seit zwei Jahren!) ausverkauften Haus.

Chor und Ensemble nach dem 2. Akt „Götterdämmerung“ (Foto: C. Jenisch – zum Vergrößern ins Bild klicken)

Einen ausführlichen Bericht über unsere Gruppenreise nach Berlin finden Sie hier.

Standing Ovations für Albert Pesendorfer (Hagen), Evelyn Herlitzius (Brünnhilde), Peter Sykora (Bühne und Kostüme), Ricarda Merbeth (Gutrune), Stefan Vinke (Siegfried) und Seth Carico (Gunther) nach der „Götterdämmerung“ (Foto: C. Jenisch – zum Vergrößern ins Bild klicken)

Der tatsächlich letzte Vorhang für den legendären Berliner Tunnel-Ring am 17. April 2017 in der Deutschen Oper (Foto: C. Jenisch)

Houston, wir haben ein Problem

Wahnfried im Badischen Staatstheater Karlsruhe

Der Wagnerdämon reitet auf dem Drachen (Foto: Staatstheater Karlsruhe)

22 Mitglieder unseres Verbandes besuchten am 19. März Avner Dorman’s neue Oper „Wahnfried“ in Karlsruhe. Erzählt wird die Geschichte des Wagner-Clans, der nach dem Tod des Meisters von Bayreuth aus bestimmte, was als Wagners Erbe zu gelten hatte. Das Libretto stammt von Lutz Hübner und Sarah Nemitz. Das ausverkaufte (!) große Haus wurde Zeuge eines grotesken und provokanten Kampfes hinter den Mauern von Wahnfried um die Deutungshoheit über Wagners Werk und Leben. GMD Justin Brown leitete die fantastisch sichere, groß besetzte Badische Staatskapelle durch die vielseitige, von Stil- und Rhythmuswechseln nur so strotzende Partitur, dass es eine Freude war. Von den 12 Gesangspartien seien Countertenor Eric Jurenas (Siegfried Wagner), Matthias Wohlbrecht (Housten Stewart Chamberlain), Renatus Meszar (Levi) und Christina Niessen (Cosima Wagner) besonders erwähnt. In ihrer Reihe „Politische Oper“ hat das Staatstheater Karlsruhe mit dieser üppig ausgestatteten Produktion wahrliche eine Meisterleistung vollbracht. Glückwunsch!

Adorno und Berg

Alfred Stenger über eine ganz besondere Beziehung

Drei Monografien über herausragende Musikerpersönlichkeiten hat Theodor W. Adorno verfasst: über Richard Wagner, Gustav Mahler und über Alban Berg. Ein Abend Adorno und Berg als Veranstaltung des RWV Frankfurt im wiederum gut besetzten Vortragssaal des Hoch’schen Konservatoriums bildete den Abschluss der Vortragstrilogie, die Prof. Alfred Stenger über den Frankfurter Gelehrten präsentierte.

Berg war 1925 in Wien Kompositionslehrer von Adorno gewesen; anders als zu Wagner und Mahler bestand also eine persönliche Beziehung. Die Sympathie zwischen Lehrer und Schüler entwickelte sich mit den Jahren zu einer tiefen Freundschaft. Adornos Monographie über Berg gliedert sich dementsprechend in einen musikanalytischen Teil und persönliche Erinnerungen.

Über 44 Jahre hinweg schrieb Adorno insgesamt acht kürzere Texte über Berg. Immer wieder betonte er darin dessen Nähe zu Mahler als eine „enthusiastische und vorbehaltlose Beziehung“. Das Fließen Bergscher Musik – „geometrisch-klar wie eine Architekturzeichnung“ – erinnerte Adorno aber auch an die Malerei von Cezanne. Eine besondere Vorliebe Adornos gehörte der Teich-Szene in Wozzeck mit ihren spiralartigen Figuren und Tonleitern. Zahlreiche Musikeinspielungen illustrierten die Ausführungen Alfred Strengers.

Die Lyrische Suite von Berg bezeichnete Adorno als latente Oper – mit Reminiszenzen an Haydns Abschiedssinfonie: „Ein Instrument schweigt nach dem andern. Die Bratsche ist allein übrig. … Sie muss spielen für immer; nur wir sind es, die sie nicht mehr vernehmen.“ Bergs Violinkonzert, sein vielleicht populärstes Stück, „ein Werk planvoller Deutlichkeit, die sich mit expressiv-programmatischem Charakter verbindet“, empfand Adorno als konservative Rückwendung Bergs. Und er scheut sich nicht, konkrete Ratschläge für dessen Ausführung zu geben: „Ehe die Interpreten sich an das Ganze begeben, tun sie gut daran, alle Einzelheiten wie durchs Mikroskop zu betrachten.“

Den zweiten Teil der Berg-Monografie, die „Erinnerungen“, legte Alfred Strenger seinen Zuhörern besonders an Herz. Seine große Bewunderung für Alban Berg und die Dankbarkeit Adornos prägen diese Kapitel. Von Adorno stammt auch der Rat: „Wer ernsthaft Zugang sucht zu Bergs Musik, wird gut tun, mit den elf Seiten der Klaviersonate sich eingehend zu befassen.“ Die Klaviersonate Opus 1 ist Bergs „Gesellenstück“. Für die Teilnehmer des Abends wurde sie einfühlsam interpretiert von Prof. Eike Wernhard von der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst.

Der Frankfurter RWV-Vorsitzende, Dirk Jenders, bedankte sich beim Referenten des erfolgreichen Vortragszyklus unter dem großen Applaus des Publikums mit einer „Stenger und Adorno“-Collage.

Zum Nachlesen finden Sie die drei Vorträge der Adorno-Reihe (Wagner – Mahler – Berg) hier